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Kündigungswelle: Lego in der Klötzchenkrise - warum auf einen Schlag 1400 Jobs wegfallen

Lego hat einen festen Platz in deutschen Kinderzimmern. Nun schockiert der Spielzeugriese seine Mitarbeiter mit einer weltweiten Kündigungswelle. Was sind die Gründe für die Krise? 

Lego muss nach Jahren des Erfolgs einen herben Dämpfer einstecken

Lego muss nach Jahren des Erfolgs einen herben Dämpfer einstecken

ist eine der erstaunlichsten Comebackstorys der Spielzeugwarenindustrie. Allen Computerspielen und Pokémon-Hypes zum Trotz erlebte der Klötzchenkonzern in den vergangenen zehn Jahren eine erstaunliche Renaissance. Seit dem Krisenjahr 2003 (dreistelliger Millionenverlust) stiegen die Umsätze stetig, der Konzern wurde wieder hochrentabel.

Doch auf einmal läuft das Geschäft nicht mehr wie gewünscht - der Erlös brach in der ersten Jahreshälfte um rund fünf Prozent ein, der Gewinn um drei Prozent. Auf diesen Dämpfer reagiert der Konzern radikal: 1400 Jobs sollen bis Ende des Jahres weltweit wegfallen, das sind acht Prozent der Belegschaft. "Leider bleibt uns keine andere Wahl, als diese schwierige Entscheidung zu treffen", erklärte Verwaltungsratschef Jørgen Vig Knudstorp bei der Verkündung des Sparprogramms am Dienstag. 

Lego in der Krise - was sind die Gründe?

Aber warum läuft es nicht mehr rund für Lego? Zu den Gründen für die Lego- gehören diese vier Probleme:

1. Zu komplexe Strukturen

Lego begründet den massiven Stellenkahlschlag mit ineffizienten Strukturen. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren personell aufgerüstet, um das starke Wachstum zu stemmen. Doch nun, wo sich die Geschäfte nicht wie geplant entwickeln, ist dieser Apparat zu groß. „Die zunehmende Komplexität der Organisation erschwert nun unser Wachstum. Aus diesem Grund haben wir uns für eine Restrukturierung der gesamten Gruppe entschieden.“, sagt Kundstorp. Er wolle "die bestehende Organisation verschlanken" und Hierarchieebenen abschaffen. Mit anderen Worten: Es sollen Personalkosten gespart werden.

2. Problem auf dem Chefsessel

Dass es nicht rund läuft, zeigt sich auch durch hektische Wechsel an der Unternehmensspitze. Von 2004 bis Ende 2016 führte der jetzige Verwaltungschef Knudstorp das Unternehmen selbst operativ. Nach diesen Jahren der Kontinuität steht nun schon der zweite Chefwechsel innerhalb weniger Monate an. Anfang des Jahres kam mit dem Briten Bali Padda zunächst der erste ausländische Chef der Unternehmensgeschichte auf den Lego-Thron. Doch obwohl Knudstorp betonte, die aktuell schlechten Zahlen seien Folge von Entscheidungen, die er selbst getroffen hat, muss Padda den Chefsessel nach nur neun Monaten schon wieder räumen. Anfang Oktober übernimmt Niels B. Christansen, der zuletzt den dänischen Klimatechnikriesen Danfoss leitete.

3. Aufgeblähtes Sortiment

Das Erfolgsrezept, mit dem Knudstorp Lego ab 2004 wieder auf die Erfolgsschiene holte, hieß: Rückbesinnung aufs Kerngeschäft. Knudstorp strich Nebengeschäfte, setzte wieder mehr auf Standardbauteile und klassisches Lego-Design. Auch die Zahl der Mitarbeiter strich er damals wie heute radikal zusammen. Seit diesem Einschnitt ist das Lego-Universum wieder enorm gewachsen. Es gibt unzählige Themenserien, und sogar Kinofilme. Manch klassischem Spielwarenhändler ist das Sortiment mittlerweile viel zu aufgebläht, wie die "Welt" berichtet. Ein Händler erklärt, es fehle schlicht der Platz, um das riesige Lego-Sortiment zu präsentieren.

4. Abhängigkeit von Top-Sellern

Das Lego-Universum hat sich zwar enorm ausgedehnt, doch längst nicht alles läuft auch gut. Der wirtschaftliche Erfolg steht und fällt mit einzelnen Top-Sellern. Als enorm erfolgreich erwiesen sich beispielsweise die Bausets zum letzten Star-Wars-Film, der im Dezember 2015 startete. An diesen Erfolg konnte die Batman-Themenwelt in diesem Jahr nicht anknüpfen, obwohl sie sogar von einem eigenen Lego-Kinofilm begleitet wurde. Daher fiebern die Lego-Macher schon dem 14. Dezember dieses Jahres entgegen: Dann kommt "Star Wars 8: Die letzten Jedi" ins Kino. 

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