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Streit um Preise Goldbären-Boykott: Lidl schmeißt Haribo aus den Regalen

Haribo
Haribo und Lidl liegen im Clinch
© Daniel Kalker/DPA / Picture Alliance
Discounter Lidl verbannt Haribo-Produkte aus den Regalen. Hintergrund ist ein Streit um Einkaufskonditionen. Der Fall zeigt: Der Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel bleibt knallhart.

Wer in Lidl-Regalen nach Haribo-Produkten sucht, wird immer seltener fündig. Denn in vielen Filialen des Discounters sind nur noch kümmerliche Restbestände des Fruchtgummi-Herstellers zu finden, berichtet die "Lebensmittelzeitung". Der Grund: Hinter den Kulissen liefern sich der Discount-Riese und der Goldbärenhersteller einen heftigen Streit um die Einkaufskonditionen.

Bereits seit Anfang Juli wird laut dem Branchenblatt nicht mehr geliefert, nun gehen die Haribo-Vorräte in den Lidl-Läden zur Neige. Aufgefüllt werden die Regale mit Artikeln des Konkurrenten Katjes sowie der Lidl-Eigenmarke Sugarland.

Auslöser des Streits ist eine Preiserhöhung von Haribo, die die Händler auch an ihre Kunden weitergeben. So kostet etwa die 360-Gramm-Packung Goldbären bei Lidl wie auch bei Aldi seit kurzem 1,29 Euro statt 1,19 Euro. Diese Preiserhöhung will Lidl nicht akzeptieren – und hat die Nachbestellung beim Fruchtgummi-Hersteller ausgesetzt. Konkurrent Aldi Süd hingegen bewirbt Haribo in dieser Woche sogar besonders offensiv im Prospekt sowie mit Aufstellern im Laden.

Preisschlacht in der Corona-Krise

Haribo äußert sich zum Streit mit Lidl nicht – zumindest nicht direkt. "Wir können aber bestätigen, dass wir uns aktuell in harten Preisverhandlungen mit dem Einzelhandel befinden. Dabei sind temporäre Auslistungen ein bekanntes taktisches Mittel, um den Druck auf den Lieferanten zu erhöhen", erklärte der Konzern der "Lebensmittelzeitung".  Die Preiserhöhung begründet Haribo mit erhöhten Rohstoffpreisen infolge der Corona-Pandemie.

Bei ihren Preisverhandlungen um günstigere Einkaufskonditionen setzen die mächtigen deutschen Lebensmittelhändler immer wieder auf temporäre Boykotte und scheuen auch nicht den Konflikt mit internationalen Großherstellern. So hat sich Edeka nach einem monatelangen Bestellstopp gerade erst wieder mit Coca-Cola auf eine neuerliche Listung der Getränkemarke geeinigt. Hohe Wellen schlug vor zwei Jahren auch der Edeka-Boykott von Hunderten Nestlé-Produkten.

Auch in der aktuellen Pandemiesituation sind die Lebensmittelhändler extrem auf ihr Preisimage bedacht. So hat die temporäre Mehrwertsteuersenkung nicht etwa für Entspannung im Markt gesorgt, sondern die Schlacht um die größten Rabatte und die werbewirksamsten Aktionen noch zusätzlich befeuert. So hatte Lidl im Juni die für Juli angekündigte Mehrwertsteuersenkung auf eigene Kosten schon mehr als eine Woche vorgezogen. Aldi konterte, indem man die Preise nicht nur um die gesetzlich vorgesehenen zwei, sondern drei Prozentpunkte senkte - wo dann auch wiederum Lidl mitzog.


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