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Lokführerstreik bei der Bahn: DB-Konkurrenz nur teilweise betroffen

Um 11:30 Uhr endete am Freitagvormittag der zweite Lokführerstreik. Zuvor hatten Fahrgäste mit flächendeckenden Zugausfällen und Verspätungen zu kämpfen. Eher geringe Auswirkung hatte der Warnstreik auf den Betrieb der privaten Bahngesellschaften.

Die Lokführer haben am Freitagmorgen nach drei Stunden ihren zweiten Warnstreik innerhalb einer Woche beendet. Der Ausstand sei wie geplant um 11.30 Uhr zu Ende gegangen, sagte ein Sprecher der Lokführer-Gewerkschaft GDL in Frankfurt am Main. Der Streik hatte um 08.30 Uhr begonnen.

Die sechs großen Bahn-Konkurrenten betrifft der Streik dabei weitaus weniger als den DB-Konzern selbst. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei den sechs bedeutendsten Wettbewerbern der Deutschen Bahn (DB). Demnach kam es bei Abellio, Keolis und der Hessischen Landesbahn zu keinen oder nur sehr wenigen Zugausfällen und Verspätungen, wie Sprecher am Vormittag mitteilten.

Der DB-Wettbewerber Arriva verwies auf sein Tochterunternehmen Ostdeutsche Eisenbahn ODEG, dessen Züge laut Mitteilung in Süd-Mecklenburg und der Lausitz planmäßig verkehrten. Lediglich auf den Linien in Richtung Frankfurt(Oder) sei der "Ausfall einzelner Züge" gemeldet worden, berichtete die ODEG.

Auch die Veolia konnte nicht gebündelt über die Lage bei ihren regionalen Tochterfirmen informieren. Das größte Unternehmen unter dem Veolia-Dach, die Nord-West-Bahn, meldete aber keine Ausfälle.

Anders sah es bei der zweitgrößten Veolia-Tochter aus, der Nord-Ostsee-Bahn (NOB). Dort legte der Warnstreik alles lahm, wie Sprecherin Christiane Lage sagte. "Bei uns stehen alle Züge." Es sei möglich, dass die Behinderungen noch bis in den Abend anhielten. NOB-Geschäftsführer Andreas Winter kritisierte die Aktion: "Wir halten den erneuten Warnstreik für absolut unnötig, denn wir haben die GDL bereits mehrfach zu Verhandlungen eingeladen - bis jetzt haben wir nur Absagen erhalten", sagte er laut einer Mitteilung.

Der sechste große DB-Konkurrent, Benex, konnte zunächst keine Angaben über die Auswirkungen des Warnstreiks machen. Es seien noch nicht alle Rückmeldungen eingetroffen, sagte ein Sprecher. Absehbar seien allerdings bereits "sehr punktuell starke Einschränkungen".

Die DB selbst meldete flächendeckend Zugausfälle und Verspätungen. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL kämpft in dem Tarifstreit vor allem für flächendeckende Tarifstandards auf dem Niveau der DB. Davon würden vor allem die Lokführer bei der DB-Konkurrenz profitieren. Die Bahn kritisiert, dass allen voran sie vom Warnstreik getroffen wird - obwohl ausgerechnet sie die Messlatte für die Bezahlung der Lokführer lege. In einer Mitteilung nannte die DB den GDL-Warnstreik eine "überflüssige Machtdemonstration" und eine "Irrfahrt".

In einer gemeinsamen Mitteilung sprachen die sechs großen DB-Wettbewerber (G6) von einer Aktion auf dem Rücken der Fahrgäste. Das DB-Verdienstniveau eins zu eins auf die gesamte Branche zu übertragen sei unfair. "Unterschiede in den Tätigkeiten von Lokomotivführern im Fernverkehr einerseits und im Nahverkehr andererseits müssen sich auch im Entgelt widerspiegeln können", heißt es in dem Schreiben.

Die Konkurrenten der Deutschen Bahn haben die Lokführergewerkschaft GDL zu weiteren Verhandlungen aufgefordert. Die unterschiedlichen Positionen rechtfertigten die wiederholten Streikmaßnahmen in keinster Weise, teilten die Firmen am Freitag mit. Wesentliche Forderungen der GDL seien bereits erfüllt. Der erneute Warnstreik lasse daher vermuten, dass die GDL den bereits besiegelten Branchentarifvertrag für den Nahverkehr auf dem Rücken der Fahrgäste für eine Berufsgruppe aushebeln wolle.

cjf/DPA/AFP / DPA