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Erneuter Warnstreik: Lokführer legen den Bahnverkehr lahm

Die Lokführer lassen ihre Muskeln spielen: Auf vielen Bahnstrecken in Deutschland ging am Vormittag kaum noch etwas. Eine Lösung des Konflikts ist bisher nicht in Sicht - weitere Streiks drohen in der nächsten Woche.

Mit einer zweiten Warnstreikwelle haben die Lokführer am Freitagvormittag erneut weite Teile des deutschen Schienenverkehrs lahmgelegt und zehntausende Fahrgäste in der Kälte stehen lassen. Ab 8.30 Uhr kam es flächendeckend zu Zugausfällen und Verspätungen: Die Deutsche Bahn AG in Berlin räumte bundesweite Behinderungen im Nah-, Regional- und Fernverkehr ein. Auch die sechs großen Konkurrenten der DB wurden bestreikt. Weitere kurze Warnstreiks bis zum 7. März sind geplant. Im Öffentlichen Dienst der Länder gibt es voraussichtlich schon in der nächsten Woche Warnstreiks.

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Im Gegensatz zur ersten Streikwelle bei der Bahn am Dienstag waren wegen der späteren Anfangszeit des auf drei Stunden geplanten Streiks weniger Pendler und Schüler betroffen. In den Ballungszentren wie aber auch zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern standen viele Züge still. Ein Zentrum der Protestaktion war der Großraum Stuttgart, wie ein GDL-Sprecher sagte: "Die Stadt wird ziemlich schwer betroffen sein." Demgegenüber fuhren im Rhein-Main-Gebiet noch etliche S-Bahnen.

Der Kampf um die öffentliche Meinung

GDL-Chef Claus Weselsky versicherte am Freitagmorgen: "Wir wollen nicht die Pendler treffen." Die Streikzeit zwischen 8.30 und 11.30 Uhr habe man bewusst gewählt, um die Pendler zu schonen und den Wochenendpendlern ab dem Mittag die Reisen zu ermöglichen. Am Dienstag hatten die Lokführer zwischen 6 und 8 Uhr gestreikt. "Für uns ist es eine wichtige Komponente, dass wir die öffentliche Meinung nie so gegen uns aufbringen, dass kein Verständnis für die Ziele da ist", erklärte Weselsky. Der GDL-Chef kündigte weitere kurze Warnstreiks bis zum Ende der Urabstimmung am 7. März an.

In dem Tarifkonflikt kämpft die GDL für eine Entgelterhöhung und vor allem für einen flächendeckenden Tarifstandard auf dem Niveau der Deutschen Bahn (DB). Davon würden vor allem die Lokführer bei der DB-Konkurrenz profitieren.

Bahn: "GDL setzt ihre Irrfahrt fort"

Die Deutsche Bahn verurteilte den erneuten Warnstreik als "überflüssige Machtdemonstration". "Statt unverzüglich weiterzuverhandeln, setzt die GDL ihre Irrfahrt fort", kritisierte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Die Auswirkungen für die Kunden seien unverhältnismäßig, der bundeseigene Konzern sei der falsche Adressat. Weber verwies erneut darauf, dass Forderungen der GDL bereits weitgehend erfüllt seien und rief sie auf, "die diversen Verhandlungsangebote endlich anzunehmen". Die Gewerkschaft müsse sich endlich noch einmal konkret dazu erklären, was genau ihre Forderungen zu einem Flächentarifvertrag noch seien.

Nach der zweiten ergebnislosen Verhandlungsrunde für die rund 600.000 Angestellten im Öffentlichen Dienst sagte Verdi-Chef Frank Bsirske am Freitag in Potsdam, die Tarifparteien lägen in der Sache weit auseinander. Er gehe davon aus, dass es in der kommenden Woche Arbeitsniederlegungen geben werde. Die Arbeitgeber legten bisher kein Angebot vor.

be/DPA / DPA