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Luftverkehr: Lufthansa peilt Milliardengewinn an

Die Lufthansa vermeldet bei Umsatz, Gewinn und Passagierzahlen neue Höchstwerte: Für 2007 wird sogar ein Ergebnis von einer Milliarde Euro anvisiert, mehrere tausend Mitarbeiter sollen eingestellt werden. Die Börse lässt das kalt.

Die Deutsche Lufthansa strebt nach einem Rekordgewinn im Jahr 2006 das Ergebnisziel von einer Milliarde Euro an. Spätestens 2008 wolle Deutschlands größte Fluggesellschaft die Marke von einer Milliarde Euro beim operativen Ergebnis überfliegen, kündigte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Frankfurt an. "Wir schauen optimistisch nach vorne", sagte er. Die Luftfahrt bleibe auch auf absehbare Zeit eine Wachstumsbranche. "Wir sehen und fühlen unsere Chancen und wollen sie nutzen", sagte der Vorstandsvorsitzende. Dennoch gab der Aktienkurs in einem freundlichen Marktumfeld leicht um 0,3 Prozent auf 20,27 Euro nach.

Zehn Prozent mehr Umsatz in 2006

2006 stieg der Umsatz dank eines starken Passagierwachstums und Kosteneinsparungen um knapp zehn Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Der operative Gewinn legte um 46 Prozent auf 845 Millionen Euro zu. Der Konzerngewinn stieg um 77 Prozent auf einen Rekordwert von 803 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet die Lufthansa bei normalem Geschäftsverlauf mit einer weiteren Ergebnisverbesserung. Der Dax-Konzern plant zudem, im laufenden Jahr mehrere tausend neue Mitarbeiter einzustellen.

Der Passagierrekord von 53,4 Millionen Fluggästen, ein höherer Anteil von Premium-Kunden auf der Langstrecke und Treibstoffzuschläge sorgten für einen starken Anstieg der Verkehrserlöse um 10,4 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn im Passagierverkehr verdreifachte sich auf 409 Millionen Euro. Auf der Langstrecke machen Premium-Passagiere einen Anteil von 19 Prozent aus, sorgen aber für 50 Prozent der Erlöse. In Europa sorgen dagegen Schnäppchenpreise von 99 Euro für steigende Umsätze.

Vorerst weiter Treibstoffzuschläge

Auf die Treibstoffzuschläge will die Lufthansa vorerst nicht verzichten. 2006 nahm sie damit nach Angaben von Finanzvorstand Stephan Gemkow knapp 500 Millionen Euro ein. Die Treibstoffkosten stiegen 2006 zum Vorjahr um 26 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Ohne Preissicherungsinstrumente wären sie um 150 Millionen Euro höher ausgefallen. "Treibstoff ist und bleibt der Hauptkostentreiber", sagte Gemkow. Für 2007 sei der Preis zu 88 Prozent gesichert.

Bei der Frachttochter Lufthansa Cargo stieg der Umsatz 2006 um 3,3 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. "Unser Frachtgeschäft bleibt auf Erfolgskurs", sagte Mayrhuber. Auslastung und transportierte Frachtmenge seien deutlich gestiegen. Die Cateringtochter LSG Sky Chefs, bisheriges Sorgenkind im Konzern, schaffte ein Umsatzplus von vier Prozent. Das operative Ergebnis verzehnfachte sich auf 50 Millionen Euro. "Die Restrukturierung trägt Früchte", sagte Mayrhuber. Deshalb gebe es keine Verkaufsabsichten.

Keine klare Ansage zu Condor

Zur Zukunft der Condor machte Mayrhuber keine klaren Angaben. Im Zusammenhang mit der Komplettübernahme des Tourismuskonzerns Thomas Cook durch den anderen Eigner KarstadtQuelle stockt Lufthansa ihren Anteil an Condor von 10 auf 24,9 Prozent auf. Condor gehört zu Thomas Cook. "Wir werden sie weiter auf Profitabilität trimmen und sehen, wie die Zukunft sich entwickelt", sagte Mayrhuber. Verhandlungen zwischen Condor und dem Konkurrenten LTU über eine Fusion gebe es nicht, sagte der Lufthansa-Chef.

Die Lufthansa plant derzeit keine Übernahmen anderer Fluglinien. Die Integration der SWISS kommt laut Mayrhuber besser und schneller voran als erwartet. 2006 wurden mehr als 200 Millionen Euro Synergien erzielt, die sich gleichmäßig auf beide Partner verteilen. 2007 soll dieser Beitrag noch höher ausfallen. Die SWISS soll möglichst noch in diesem Jahr voll konsolidiert werden.

Warnungen vor Schnellschuss beim Emissionshandel

In der Diskussion um einen besseren Klimaschutz wandte sich Mayrhuber gegen eine voreilige Einbeziehung des Luftverkehrs in den Emissionshandel. Zunächst müssten andere Mittel zum Kerosinsparen wie eine Vereinheitlichung der europäischen Flugsicherungen und ein Ausbau der Infrastruktur ausgeschöpft werden. "Es ist an der Zeit, den Öko-Populismus durch Öko-Rationalismus zu ersetzen." Erneut forderte er einen zügigen Ausbau des Frankfurter Flughafens, dessen Kapazitätsgrenze "schon lange überschritten" sei. Notwendig seien eine zügige Genehmigung des Ausbaus und ein "praktikables Nachtflugverbot".

DPA/DDP / DPA