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Machtkampf spitzt sich zu: Schaeffler will Conti-Chef Neumann absägen

Der Machtkampf zwischen den Autozulieferern Continental und seinem Großaktionär Schaeffler eskaliert. Nach Medienberichten soll Conti-Chef Karl-Thomas Neumann bereits zurückgetreten sein. Angeblich steht schon ein Nachfolger bereit.

Das Ringen um die Zukunft des angeschlagenen Autozulieferkonzerns Continental spitzt sich dramatisch zu. Dabei geriet Conti-Chef Karl-Thomas Neumann zwischen die Fronten der Anteilseigner. Nach Informationen der Online-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung" trat er angeblich zurück. Die "Welt" berichtete, das Familienunternehmen Schaeffler habe die Absetzung Neumanns betrieben, sei damit aber vorerst gescheitert. Ein Conti-Sprecher sagte dazu am Abend lediglich, nach seinen Informationen halte Neumann derzeit im Aufsichtsrat eine Präsentation, die 150 Seiten umfasse. Mehr wollte er nicht sagen.

Degenhart als Nachfolger vorgeschlagen

Neumann habe seinen Plan einer Kapitalerhöhung in der Aufsichtsratssitzung nicht wie vorgesehen durchgebracht, hieß es in einem Bericht der Zeitung. Die Arbeitnehmervertreter stünden allerdings voll hinter ihm und versuchten, ihn in seiner Position zu halten, hieß es weiter.

Laut "Welt" bestätigten Aufsichtsratskreise, dass Schaeffler-Vertreter in den Vorbesprechungen zur Krisensitzung den Schaeffler-Manager Elmar Degenhart als neuen Conti-Chef vorgeschlagen haben, neuer Finanzchef in Hannover sollte demnach Klaus Rosenfeld werden. Rosenfeld ist derzeit Finanzchef bei Schaeffler. Degenhart leitet dort das Geschäftsfeld Automotive.

Verhindert habe die Absetzung jedoch die IG Metall, die sich letztlich nicht dazu durchgerungen habe, mit Schaeffler für eine Auswechslung des Conti-Vorstandes zu stimmen. Wegen des Schaeffler-Putsches begann die Aufsichtsratssitzung von Conti mit drei Stunden Verspätung. Begründet wurde die versuchte Absetzung von Neumann von Schaeffler-Seite angeblich damit, dass der Mehrheitsaktionär kein Vertrauen mehr in Neumann und den Conti-Vorstand habe. Schaeffler und Conti wollten sich nicht zum Sachverhalt äußern. Die Sitzung dauerte am Abend noch an.

Neumann hatte vor der Sitzung des Aufsichtsrats gesagt, das Treffen sei von "existenzieller Bedeutung" für die Conti. Er will vom Kontrollgremium grünes Licht für eine Kapitalerhöhung zwischen einer und eineinhalbd Milliarden Euro erhalten, um dem Autozulieferer-Konzern Luft zu verschaffen. Großaktionär Schaeffler aber steht einem solchen Schritt skeptisch gegenüber. Eine Kampfabstimmung galt als möglich.

Fusion scheint vom Tisch

Continental und Schaeffler verhandeln seit Monaten über die Zukunft der beiden hoch verschuldeten Konzerne. Eine mögliche Fusion oder Übernahme von Schaeffler durch Conti aber scheint wegen vieler offener Fragen vorerst vom Tisch zu sein. Dies bedeutet, dass beide Konzerne zunächst eigenständig bleiben. In diesem Fall sieht die Conti-Führung eine Kapitalerhöhung als dringend notwendig an. Im August wird ein Kredit von 800 Millionen Euro fällig, im August 2010 ein Kredit von 3,5 Milliarden Euro.

Vor der Krisensitzung am Donnerstag hatte Neumann in einem Brief an die Aufsichtsräte geschrieben, neues Eigenkapital sei unbedingt notwendig, um den Konzern abzusichern. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bat er deshalb "dringend" um die Unterstützung der Aufsichtsräte bei diesem Thema.

DPA / DPA