Opel-Chef Karl-Thomas Neumann "Opel wird die führende Marke von GM in Europa"


Karl-Thomas Neumann will der deutschen General-Motors-Tochter das lange vermisste Selbstbewusstsein zurückgeben. Zur Not auf Kosten von Chevrolet.

Seit einem halben Jahr erst ist Karl-Thomas Neumann Chef in Rüsselsheim, doch er hängt sich schon deutlich weiter aus dem Fenster als seine Vorgänger. "Es hat in der Vergangenheit bei General Motors Tendenzen gegeben, Chevrolet in Europa den Vorzug zu geben", sagte der Opel-Boss auf der IAA gegenüber dem stern. "Doch das sind Dinge, die wir ganz klar korrigieren werden." Fast identische Fahrzeuge auf dem Markt gegeneinander antreten zu lassen wie den Chevrolet Volt und den Opel Ampera oder den kompakten SUV Trax (Chevrolet) und den Mokka von Opel – diese Fehlentscheidungen werde es in Zukunft nicht mehr geben. "Opel wird ganz klar wieder die führende Marke von GM in Europa", so Neumann. "Chevrolet werden wir so positionieren, dass die Marke Erfolg hat, aber nicht auf Kosten von Opel."

Expansion in die USA geplant

Stattdessen sieht Neumann Potential, erfolgreiche Opel-Produkte wie das neue Cabrio Cascada in den USA zu verkaufen. GM-Chef Dan Akerson habe außerdem bereits Interesse am Kleinwagen Adam signalisiert. Für China sehe die Strategie allerdings anders aus. Dort haben GM-Marken zwar einen sehr hohen Marktanteil, aber Opel sei dort ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. "Opel profitiert bereits von GMs Position in China, weil mit dem Geld, das dort verdient wird, Opel unterstützt werden kann", sagte Neumann. Der Idee, man könne Opel nach China bringen, um die Probleme auf dem europäischen Markt zu kompensieren, sei keine wirkliche Alternative.

Derzeit befindet sich Opel in den roten Zahlen und leidet extrem unter der angespannten Lage auf dem europäischen Markt – wie alle Hersteller, die sich in der Vergangenheit stark auf den hiesigen Markt konzentriert haben (Fiat, PSA Peugeot-Citroën, Renault). "2016", so Neumann, solle Opels Bilanz wieder schwarz sein. So lange wird GM Geduld mit Opel haben – wenn die Anzeichen gut dafür stehen, dass es wieder aufwärts geht.

Frank Janßen, Frankfurt

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