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Vier Milliarden Euro bis 2016: General Motors öffnet für Opel den Geldhahn

Dicke Finanzspritze für Opel: Mit Milliardeninvestitionen will General Motors die angeschlagene Tochter wieder in die Erfolgsspur führen. Für den Standort Bochum kommt das Geld aber zu spät.

Der US-Autokonzern General Motors nimmt vier Milliarden Euro in die Hand, um sein kränkelndes Europageschäft mit den beiden Marken Opel und Vauxhall auf Kurs zu bringen. Der Großteil der Summe soll in neue Modelle gesteckt werden, wie Opel-Chef Karl-Thomas Neumann am Mittwoch ankündigte. Konzernchef Dan Akerson erneuerte bei einem Besuch der gesamten Führungsspitze von GM in Rüsselsheim das Bekenntnis des Mutterkonzerns zur Tochter: GM brauche eine starke Präsenz in Europa, sowohl bei Design und Entwicklung als auch bei Fertigung und Verkauf. "Opel ist ein Schlüssel zu unserem Erfolg und genießt die volle Unterstützung des Mutterkonzerns", erklärte der Manager. Die vier Milliarden Euro sollen bis 2016 investiert werden.

Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky sagte, Opel sei "heute mehr denn je ein entscheidendes Element für die Innovationskraft des gesamten Konzerns". Er verwies auf die wechselvolle Geschichte der seit 1929 zu dem US-Konzern gehörenden Tochter, die seit vielen Jahren rote Zahlen schreibt. Mit seinem Auftritt in Rüsselsheim will die GM-Spitze vor allem dafür sorgen, dass die immer wieder aufkeimenden Spekulationen über einen möglichen Verkauf von Opel, die der Marke in den vergangenen Jahren schwer geschadet haben, aufhören.

GM hatte Opel 2009 zunächst verkaufen wollen und sich um Bürgschaften bei mehreren Staaten in Europa bemüht, sich dann aber anders entschieden und saniert die Tochter nun unter eigener Regie. Dazu hatte sich das Management unlängst mit der IG Metall auf einen Sparplan verständigt, der die Verschiebung von Lohnerhöhungen vorsieht. Im Gegenzug erhielten die Werke in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach mehrjährige Produktionszusagen. Die Autofabrik in Bochum mit über 3200 Beschäftigten soll dagegen bereits Ende 2014 dichtgemacht werden. Dort hatte die Belegschaft als einzige dem Sanierungsplan von GM nicht zugestimmt. Konzern-Vize Steve Girsky sagte, er bedauere das Votum der Mitarbeiter in Bochum gegen den Sanierungsplan: "Aber wir akzeptieren die Entscheidung."

Von ganz oben nach ganz unten - und zurück

Im Sommer 2009 hatte das traditionsreiche Unternehmen die schwierigste Zeit seiner hundertjährigen Geschichte durchleben müssen. Für den einst größten Autohersteller der Welt hatten sich in der Wirtschafts- und Finanzkrise die Probleme derart verschärft, dass er kurz vor dem Zusammenbruch stand. Die US-Regierung half GM mit 50 Milliarden Dollar (38 Milliarden Euro) und übernahm dafür 61 Prozent der Aktien. Aus General Motors wurde de facto "Government Motors", ein Staatsunternehmen.

In der Rekordzeit von sechs Wochen durchlief der Konzern eine Insolvenz, danach stand er mit deutlich weniger Schulden und erheblich geschrumpft da: GM trennte sich von den vier Traditionsmarken Saab, Pontiac, Saturn und Hummer, Zugleich konzentrierte sich das Unternehmen auf erfolgreiche Modelle wie Chevrolet, Buick, Cadillac und GMC. Mit dem verschlankten Detroiter Automobilriesen ging es wieder aufwärts, Ende 2010 kehrte der Konzern an die Börse zurück. Im vergangenen Herbst warb US-Präsident Barack Obama im Wahlkampf für sich mit der Botschaft: Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist tot, General Motors lebt.

Das US-Finanzministerium kündigte im Dezember an, binnen 15 Monaten den verbleibenden Staatsanteil von 19 Prozent zu verkaufen. Im vergangenen Jahr setzte GM weltweit knapp 9,3 Millionen Autos ab, so viele wie seit 2007 nicht mehr. Der Gewinn für 2012 betrug 4,9 Milliarden Dollar - das dritte Jahr in Folge mit schwarzen Zahlen für General Motors. Die Spitzenposition auf dem Weltmarkt haben aber die Japaner von Toyota übernommen. Und die Konkurrenz wird schärfer: GM spürt zunehmend den Atem des deutschen Autokonzerns Volkswagen im Nacken, der bis 2018 die globale Nummer eins werden will.

jwi/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters