HOME

Ford & General Motors: US-Autobauer in der Krise

General Motors musste im vergangenen Jahr den gewaltigen Verlust von 8,6 Milliarden US-Dollar einstecken. Mit-Konkurrent Ford geht's kaum besser. Von der US-Regierung kommt keine Hilfe, beide Konzerne müssen sich selbst helfen.

Der weltgrößte Autokonzern General Motors (GM) hat im abgelaufenen Jahr wegen der Absatzkrise auf dem Heimatmarkt einen hohen Milliardenverlust verbucht. Allein die eingeleitete Schrumpfkur plus der Pleite des Zulieferers Delphi belasteten das Schlussquartal und sorgen für einen wesentlich höheren Fehlbetrag als eigentlich angenommen.

"Schwerstes Jahr der Firmengeschichte

"2005 war eines der schwersten Jahre in der Geschichte von GM, vor allem wegen der schwachen Entwicklung im Nordamerika-Geschäft", sagte GM-Chef Rick Wagoner. Auch im Europageschäft mit den Marken Opel, Saab und Vauxhall schrieb der Konzern erneut einen Millionenverlust. GM sieht sich nach den harten Einschnitten dort aber auf dem Weg der Besserung. Der Rüsselsheimer Autobauer Opel macht etwa 80 Prozent des GM-Geschäfts in Europa aus und hat zuletzt, im Zuge des Sanierungsprogramms mit dem Abbau von 9500 Stellen, wieder Marktanteile gewonnen. Die hohen Verluste im Europa-Geschäft gehen dem Vernehmen nach deshalb vor allem auf das Konto der schwedischen Tochter Saab.

Insgesamt belief sich der GM-Konzernverlust einschließlich Einmalaufwendungen auf 8,6 Milliarden Dollar nach einem Gewinn von 2,8 Milliarden im Jahr zuvor. Verantwortlich dafür seien vor allem die hohen Kosten und die gesunkenen Umsätze auf dem Heimatmarkt, so Wagoner.

Analysten sehen schwarz

Im Autogeschäft machte GM im Gesamtjahr 5,3 Milliarden Dollar Verlust, davon den Großteil in Nordamerika. "Sie müssen dort die Kurve kriegen", meint HVB-Analyst Georg Stürzer. Bis Ende 2006 setzt GM sich auf seinem Heimatmarkt ein ehrgeiziges Sparziel: Bei stabilen Wechselkursen sollen die strukturellen Kosten um sechs Milliarden Dollar gedrückt werden, Materialkosten sollen gleich um eine Milliarde sinken. Der Konzern hatte seinen Sparkurs bereits verschärft und den Abbau von 30.000 Stellen binnen dreier Jahre angekündigt. Die Produktion in zwölf nordamerikanischen Werken soll gedrosselt oder ganz eingestellt werden.

Analysten blicken trotzdem skeptisch in die Zukunft des Autogiganten. "GM müsste über mehrere Jahre beweisen, dass sie sich deutlich verbessern, dass sie endlich ihr Kerngeschäft in den Griff bekommen und man zumindest einen deutlichen Verlustabbau erkennt", sagte Bankhaus Metzler-Analyst Jürgen Pieper. Auch Konkurrent Ford hat ähnlich wie GM zu lange auf Sprit schluckende Geländewagen gesetzt. Doch angesichts der hohen Benzinpreise greifen auch US-Kunden nun zu sparsameren Autos. Ford muss deshalb rund ein Viertel der Belegschaft abbauen.

Keine Hilfe von der US-Regierung

US-Präsident George W. Bush dämpfte Aussichten auf eine Rettungsaktion der amerikanischen Regierung für GM und den ebenfalls mit Milliardenverlusten kämpfenden Konkurrenten Ford. Er rate den Unternehmen, "ein Produkt zu entwickeln, das für den Markt relevant sei", statt mit ihren hohen Pensionsverpflichtungen Hilfe suchend nach Washington zu blicken, sagte Bush dem "Wall Street Journal".

Der frühere US-Präsident Jimmy Carter hatte Chrysler 1979 mit einer staatlichen Kreditgarantie von 1,5 Milliarden Dollar geholfen. Er hoffe, nicht darauf angesprochen zu werden, eine solche Entscheidung zu treffen. Es sei wichtig, dass die Märkte funktionieren, erklärte Bush auf die Frage, ob die Regierung Präventivmaßnahmen ergreifen sollte. Bush sei im Hinblick auf die Aussichten der Firmen optimistisch, erklärte die Zeitung.

Reuters/DPA / DPA / Reuters