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Aus für 15.000 Jobs Trump sieht Vorboten seines Scheiterns - und droht GM "enttäuscht", die Subventionen zu streichen

Donald Trump weist Richtung
Richtungsweisend gibt sich Donald Trump gerne
© Jim Watson / AFP
15.000 Jobs futsch - ausgerechnet die Chefin von General Motors holt den US-Präsidenten auf den Boden zurück. Trumps Versprechen, Jobs aus der Vergangenheit zurückzuholen, entpuppt sich als das, was es schon immer war: ein falsches Spiel.

Hinterher ist jeder schlauer, aber in diesem Fall hätte man es auch vorher wissen, zumindest aber ahnen können. Bei den Präsidentschaftswahlen räumte Donald Trump im Rust Belt, dem Herzen der US-Stahl- und Autoindustrie auch deshalb ab, weil er einfach mal raushaute, den Leuten ihre (in großen Mengen abhanden gekommenen) Jobs zurückzugeben. Wie er das anstellen wollte, verriet er nicht – aber die Botschaft lautete Hoffnung und nicht Realismus.

Gier oder notwendiger Schnitt?

Nun holt ausgerechnet die Chefin der US-Industrie-Ikone General Motors (GM) die Menschen und den Präsidenten auf den Boden der Tatsachen zurück. 15.000 Stellen sollen gestrichen werden – nicht alle im Rust Belt, aber viele. Fabriken entstehen nicht neu, sondern werden abgewickelt. Statt Jobs gibt's Frust und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als GM nach langer Zeit wieder schwarze Zahlen schreibt. "Gier" nennt das ein örtlicher Abgeordneter der demokratischen Partei. Doch so einfach ist es nicht. Gründe für diesen harten Schnitt gibt es viele – Donald Trump ist einer davon.

GM-Chefin Mary Barra hat den Autoriesen seit ihrem Dienstantritt 2014 aus den größten Schwierigkeiten herausgeholt, hat das defizitäre Europageschäft (unter anderem Opel) abgestoßen, hat die Produktion unrentabler Modelle eingestellt, hat die in der Branche üblichen Rabattschlachten abgeschafft. Kurzum: Seit fünf Jahren ist sie dabei, all' die Fehler ihrer Vorgänger auszubügeln. Erfolgreich, wie gesagt, das Unternehmen macht Gewinn - während Konkurrent Ford seit Jahren nicht richtig aus dem Quark kommt.

Barra erkennt, was Donald Trump ignoriert

In Trumps Kampfruf "Make America great again" schwang und schwingt speziell auch immer die Rückkehr auf die guten, alten Zeiten mit, als Amerikaner noch Autos von Weltrang bauten mit heimischen Stahl und anständigen Arbeitern. Doch diese Zeiten sind vorbei. Der Stahl kommt längst woanders her, von den anständigen Arbeitern werden längst nicht mehr so viele gebraucht und US-Autos von Weltrang fahren künftig, wenn überhaupt, mit Strom und automatisch. Barra hat das erkannt, Donald Trump nicht.

Was Trump in seiner mafiaartigen Drohtirade gegen die GM-Chefin ("Wenn das Werk in Ohio nicht wieder öffnet, hat sie ein Problem") - und zuletzt ganz konkret mit der Androhung, GM die Subventionen zu streichen - ignoriert, ist, dass es der Handelskrieg seiner eigenen Regierung ist, die die Kosten für Autos made in USA in die Höhe treibt. Ford-Chef Jim Hackett schätzte erst kürzlich, dass die Strafzölle auf Stahl und Aluminium dem Unternehmen rund eine Milliarde Dollar Gewinn gekostet haben. Bei General Motors nuschelt man nur undeutlich von "gestiegenen Materialkosten". Vermutlich will GM das Gemüt des Präsidenten nicht noch weiter reizen als ohnehin schon. Wie dem Konzern das Streichen von Subventionen auch für das Zukunftsgeschäft elektromobiität helfen soll, bleibt ohnehin Trumps Geheimnis.

Pläne aus Firmensicht plausibel

Dabei sind ihre Pläne zumindest aus Chefsicht völlig plausibel: Sie richtet das Unternehmen auf einen sich verändernden Markt aus. Macht das Unternehmen "fit für die Zukunft", wie PR-Leute so etwas nennen. Dass dabei, wie in diesem Fall, ein Siebtel der Angestellten (und auch ein Viertel der Führungskräfte) wird gehen müssen, ist eine bittere Pille, aber zumindest aus Sicht der Firmenleitung immer noch besser, als womöglich in fünf Jahren 30 Prozent der Belegschaft entlassen zu müssen. Als Unternehmer hätte Donald Trump es genauso gemacht. Als Politiker aber klebt er an einer der Vergangenheit verhafteten "Politik", die nichts als falsche Hoffnungen produziert.

Deswegen ist das Aus der Autowerke und der Arbeitsplätze (offen ist, was Gewerkschaften und politischer Druck noch werden retten können) nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Angestellten, sondern auch die Bankrotterklärung für Trumps vollmundige Versprechen. Offenkundig schaffen sie nicht nur keine neuen Jobs, sie können nicht einmal bestehende retten. Der Hoffnungsträger, in dessen Amtszeit die Konjunktur bislang durch die Decke gegangen ist, enttäuscht.

Chancen auf Wiederwahl schrumpfen

Noch vor wenigen Wochen hat Donald Trump in Ohio der Menge zugerufen, dass die Jobs, die der Bundestaat verloren habe, zurückkommen würden, "alle werden zurückkommen", so Trump vor seinen jubelnden Anhängern. 2016 waren es knapp 100.000 Stimmen aus dieser Region, die ihn zum Präsidenten gemacht haben. Mit jedem Arbeitsplatz, der trotz seiner Versprechen nicht wieder entsteht, schwinden seine Chancen, 2020 wiedergewählt zu werden. Und das dann auch vollkommen zu Recht.


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