Magna-Opel Heirat mit dem Lieferanten


Wenn zwei Große sich aus Vernunft zusammentun, kann das Bündnis in einer Liebesheirat enden. Angesichts fehlender Möglichkeiten erscheint eine innige Partnerschaft zwischen Opel und Magna nicht als schlechteste Alternative.
Von Stefan Grundhoff

Bei Magna und Opel gibt es kaum störende Schnittmengen, das spricht für Harmonie in der Verbindung. Der kanadisch-österreichische Konzern produziert in geringen Dimensionen in seinem Werk Graz zwar Fahrzeuge für Mercedes, Saab und die insolvente Chrysler-Group. Doch die Kernkompetenzen von Magna liegen seit Jahren in der Entwicklung. Zudem ist man einer der bedeutendsten Zulieferer auf dem Markt; hat aber trotzdem exzellente Erfahrungen bei der Produktion und bei der Einbindung von Zulieferungen in den Produktionsprozess.

Magna kennt sich ausgezeichnet mit Psychologie und Arbeitsweise von General Motors aus. Als Zulieferer ist man es ohnehin gewohnt, sich in die Denkweise seiner Kunden einzufühlen. Das wäre auch für eine Partnerschaft mit Opel keine schlechte Voraussetzung. Als GM-Tochter Saab vor Jahren das Geld für die Entwicklung eines neuen 9-3 Cabriolets fehlte, versprach man den Grazern nicht nur die Produktion, sondern auch die weitgehende Entwicklung des Modells. Das Design kam von Saab; die Triebwerke teilweise aus der alten Motoren-Gemeinschaft zwischen Opel und Fiat. So wurde das schnittige 9-3 Cabriolet für Saab zu kaum mehr als einem durchlaufenden Posten. Die technische Umsetzung des schwedisch-österreichischen Sonnenanbeters fand ganz überwiegend bei der österreichischen Schwesterfirma Magna-Steyr statt. Auch historisch gäbe eine nette Parallele zwischen beiden Firmen. General Motors war im Jahre 1960 der erste Automobilhersteller, der Magna mit Hauptsitz in Aurora / Ontario einen Großauftrag gab. GM orderte bei Firmeninhaber Frank Stronach metallgestanzte Bügel für die Sonnenblenden.

Der größte Vorteil dürfte jedoch die unterschiedliche Ausrichtung von Magna und Opel sein. Im Gegensatz zu einer innigen Verbindung mit Fiat würden sich die Produktportfolios beider Hersteller kaum überschneiden. Die Fahrzeuge, die Magna in Form von Geländewagen (BMW X3, Mercedes G-Klasse, Jeep Grand Cherokee, Jeep Commander, ab 2010 Mini Crossover) und Cabriolets (Saab 9-3) produziert, sind nicht in den Segmenten unterwegs, in denen Opel seine Kernkompetenzen hat. Vielleicht könnte das Know-How von Magna mittelfristig dazu führen, dass Opel ein vernünftiges Fahrzeug im Segment der Mittelklasse-SUV anbieten kann. Derzeit fährt man dem volumenstarken Markt mit dem wenig überzeugenden Antara hinterher. Der Koreaner ist einer der wenigen Schandflecken der aktuellen Opel-Modellpalette.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die bestehenden vier deutschen Werke so stark wie bei Fiat schrumpfen müssten, wäre klein. Anders als allen anderen in der Branche fehlen Magna bisher Produktionskapazitäten, so sollten zwei Opelwerke gerettet sein. Zumindest für ein drittes Werk sieht es ebenfalls gut aus. Dass alle vier deutschen Opel-Werke weiter bestehen können, hoffen die Arbeiter. Aber angesichts der seit Jahren schlechten Auslastungszahlen ist dieser Traum bei jeder Übernahme unwahrscheinlich.

Zukünftige Opel-Fahrzeuge könnten durch den Zusammenschluss zu einem großen Teil auf Komponenten von Magna umgerüstet werden. Was wäre dagegen zu sagen, wenn Teile der Innenausstattungen, Tür- oder Cockpitmodule sowie Brems- oder Allradtechniken zukünftig aus dem Hause Magna in Corsa, Astra und Insignia implementiert würden? Ganz nebenbei: Derzeit arbeitet Opel mit anderen Zulieferern deutlich enger als mit Magna zusammen. Opel würde die Entwicklungs- und Zuliefervolumina bei Magna deutlich anheben und somit indirekt in die eigene Familientasche wirtschaften. Wieso also nicht? Es gäbe schlechtere Ehen als zwischen Magna und Opel.


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