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Mannesmann-Prozess: Ackermann, das Unschuldslamm

Im Mannesmann-Prozess hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seine Unschuld beteuert und die Millionenzahlungen an frühere Manager verteidigt. Die Zahlungen waren zur "Stabilisierung der Gegenwart im Interesse der Zukunft" nötig.

Der Mannesmann-Prozess ist am Donnerstag in den zweiten Verhandlungstag gestartet - mit der Emotionalität einer Schachpartie. Im Blickpunkt stand dabei Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der die Millionenzahlungen an frühere Manager des Düsseldorfer Konzerns verteidigte. Falls nur die kleinsten Anhaltspunkte für Rechtsverstöße zu erkennen gewesen wären, "dann hätte ich nicht so entschieden, zumal ich keine eigenen Interessen hatte", sagte der 58-Jährige vor dem Landgericht Düsseldorf.

Ackermann und fünf anderen Angeklagten wird im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone im Jahr 2000 Untreue oder Beihilfe dazu vorgeworfen. Damals waren rund 57 Millionen Euro an Prämien und Abfindungen an Top-Manager des Düsseldorfer Traditionskonzerns geflossen. Das neue Verfahren vor dem Landgericht Düsseldorf war nötig geworden, nachdem der Bundesgerichtshof im Dezember die Freisprüche aus dem Jahr 2004 aufgehoben hatte.

Prämien waren auch "Motivation für die Zukunft"

Ackermann verteidigte die damals gewährten Prämien mit dem Argument, dass nach dem mit härtesten Bandagen geführten Übernahmekampf "eine reibungslose Integration von Mannesmann" in den künftigen Eigentümer Vodafone erfolgen musste. Doch gerade diese Phase des Zusammengehens und der Verschmelzung nach einer erfolgten Übernahme ist die eigentlich gefährliche - die meisten Fusionen und Übernahmen scheitern hier.

Der damalige Mannesmann-Chef und seine Mannschaft sollten also nicht nur für den sagenhaften Wertzuwachs belohnt werden, sondern durch die üppigen Prämien auch für eine gleich gute Weiterarbeit motiviert werden: "Den geschaffenen Wert wollte ich erhalten, es ging mir um die Stabilisierung der Gegenwart im Interesse der Zukunft", nannte das Ackermann.

Mit Blick auf die Zahlung an den damaligen Aufsichtsratschef Joachim Funk räumte er ein, die Prämie für diesen sei auch ein Signal des neuen Eigentümers Chris Gent gewesen. Gerade Funk galt als einer der "leitenden Köpfe des Widerstandes". Die Prämie an Funk sollte ein Zeichen der Versöhnung - auch an die Mannesmann-Belegschaft - sein und "Wunden heilen".

Funk-Prämie in "schiefem Licht"

Der Deutsche-Bank-Chef räumte in seinem Statement aber auch ein, es sei "nicht richtig" gewesen, dass Funk zunächst selbst über seine Prämie mit entschieden habe, wodurch sie vor diesem Hintergrund nun "in einem schiefen Licht" erscheine. Dennoch seien die drei Millionen Mark für Funk gerechtfertigt gewesen. Schließlich hätte der enorme Wertzuwachse, der Ackermann auch als Rechtfertigung für die Prämien-Gewährung an die anderen Vorstände diente, genauso in der Amtszeit von Funk stattgefunden. Dass dieser selbst um die Prämie gebeten hatte, erwähnte Ackermann nicht.

Arne Daniels, mit Reuters