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MEDIEN: Kampf der Erben

Schlechte Zahlen, miese Stimmung: Beim krisengeplagten Axel Springer Verlag will Verlegerwitwe Friede Springer die Macht im Konzern an sich reißen.

Bei den Erben von Axel C. Springer muss es in vielerlei Hinsicht Wehmut geweckt haben, vergangene Woche in der ARD die Erfolgsstory des Verlegers zu sehen. Die reale Springer-Welt sieht derzeit anders aus. Europas größtes Zeitungshaus (»Bild«, »Welt«, »Hörzu«) steckt wirtschaftlich in einer tiefen Krise; der Börsenkurs ist im Keller. Und die Eigentümer sind zerstritten.

Showdown in Berlin

Nun bereiten sie sich auf den Showdown vor: kommenden Donnerstag, Aufsichtsratssitzung. Friede Springer, die Witwe des Verlegers Axel C. Springer, will das Unternehmen künftig allein kontrollieren. Das missfällt Axel Sven Springer, einem Enkel des Verlegers. Er zog kürzlich gegen den Willen seiner Stiefgroßmutter in den Aufsichtsrat ein. Und auch Gesellschafter Leo Kirch, der chronisch klamme Münchner Medienhändler, will ein paar »ernsthafte Fragen« stellen. Ihm dürften die Dividenden wegbrechen.

Verlag verliert gegen den Trend

Sogar während des Branchenbooms im vergangenen Jahr schrumpften bei Springer (5,7 Milliarden Mark Umsatz) die Gewinne. Inzwischen sieht es noch schlechter aus - Anzeigenflaute. »Alle Verlage haben derzeit Probleme, aber wir machen uns obendrein noch selbst welche«, sagt ein Verlagsmanager vertraulich. Reden hinter vorgehaltener Hand gehört zum Stil des Hauses.

Der groß angekündigte Internetauftritt von »Bild.de« wurde monatelang verschoben, verschlang hohe Millionenbeträge und ist heute nur in einer Sparversion im Netz. Zudem drücken Umzugskosten: Ganze Redaktionen wie die von »Welt am Sonntag« und »Bild.de« mussten nach Berlin umsiedeln. Erstmals droht bei Springer nun das Abrutschen in die Verlustzone. Es werde »sonst was bilanztechnisch unternommen«, um rote Zahlen zu vermeiden, sagt einer aus dem Konzern.

Ein Investitionsprogramm des Verlags in dreistelliger Millionenhöhe ist gestoppt. Einige Abteilungen müssen bis zu zehn Prozent des Personals abbauen.

Verlagsneubau als Denkmal

Nur an einer Stelle soll nicht geknapst werden: am Verlagsneubau in Berlin. Damit will Zeitungs- und Multimedia-Vorstand Mathias Döpfner dem alten Springer postum ein Denkmal setzen. Döpfner soll zum Januar an die Spitze des Verlags rücken. Den Segen der Verlegerwitwe hat er. Und die glückliche Aussicht auf eine dringend benötigte Finanzspritze: Nach einem älteren Vertrag kann Springer im Frühjahr für seinen Anteil an der TV-Firma ProSiebenSat.1 knapp 1,6 Milliarden Mark von Kirch kassieren.

Schleudersitz Vorstand

Der Weg ist frei. Zusammen mit Vorstandschef August Fischer hat Döpfner zwar das Geschäft nicht richtig in den Griff bekommen, dafür aber das Führungspersonal auf Kurs gebracht. Der einstige Kronprinz Claus Larass wurde zu Kirch nach München abgeschoben. Der ehemalige Aufsichtsrat Peter Boenisch ging im Rechtsstreit. Der Zeitschriften-Vorstand Christian Delbrück wurde nach 28 Jahren Springer-Zugehörigkeit aus einer Vorstandssitzung zum Aufsichtsrat zitiert, wo man ihm den vorzeitigen Ruhestand nahe legte. Zum Ende dieses Monats muss auch Finanzchef Ralf Kogeler gehen. Er ist der 20. Vorstand, der innerhalb von zehn Jahren den Konzern verlässt.

Nun ist die Witwe am Zug. Den beiden Miterben Axel Sven und Ariane Springer kündigte sie zum Jahresende den Gesellschaftervertrag, der die drei bislang aneinander bindet. Schon macht im Vorstand das Gerücht von einer Klausel namens »mexican shoot-out« die Runde. Danach sollen die Enkel gegen ihren Willen herausgekauft werden können. In solchem Fall käme der Witwe der verminderte Wert der Aktienpakete nicht ungelegen, wird spekuliert. Von mexikanischen Verhältnissen will Erbe Axel Sven allerdings nichts wissen. Dem stern sagte er: »Ein Verkauf findet nicht statt.« Er wolle seine Anteile behalten - auch aus »Verpflichtung meinem Großvater gegenüber. Denn ich erinnere mich noch gut an ihn - im Gegensatz zu anderen.«

Johannes Röhrig