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MEDIEN: Kirch: Fusion mit ProSiebenSat.1 geplatzt

Wegen der Finanzkrise der KirchGruppe und des schlechten Börsenklimas wurde die geplante Fusion der KirchMedia mit dem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 endgültig abgesagt.

Wegen der Finanzkrise der KirchGruppe und des schlechten Börsenklimas ist die ursprünglich für diesen Sommer geplante Fusion der KirchMedia mit dem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 endgültig geplatzt. Die ProSiebenSAT.1 Media AG führte am Mittwoch die gesamtwirtschaftliche Situation und die Lage bei Kirch als Gründe an. Finanzkreise gehen zudem davon aus, dass ein Börsengang der neuen KirchMedia AG in diesem Umfeld ohnehin nicht Erfolg versprechend wäre.

Premiere ab 2005 profitabel?

Der neue Premiere-Chef Georg Kofler kündigte an, er wolle den Bezahlsender nach herben Verlusten mit einem radikalen Stellenabbau und günstigeren Einstiegspreisen bis 2005 in die Profitzone bringen.

Börsengang bis 2003 versprochen

Die angeschlagene KirchGruppe hatte große Hoffnungen in die Fusion von ProSiebenSAT.1 mit der Muttergesellschaft KirchMedia zu einem der größten börsennotierten Medienkonzerne Europas gesetzt. Sie versprach sich ein jährliches Einsparpotenzial von weit über 50 Millionen Euro. Außenstehenden Gesellschaftern der KirchMedia war ein Börsengang bis spätestens 2003 versprochen worden. Es gebe Gespräche mit den Investoren, sagte ein Kirch-Sprecher. Die Verhandlungen mit den Banken über einen Ausweg aus der Finanzkrise der KirchGruppe blieben von der abgesagten Fusion unberührt.

Börse feiert das Ende der Fusion

Die Börse feierte das Ende der von den Finanzmärkten ungeliebten Fusion mit einem Kurssprung. Der ProSiebenSAT.1-Aktienkurs stieg um zeitweise zehn Prozent auf 10,50 Euro. Die neue KirchMedia AG sollte ursprünglich bereits im Juni an die Börse kommen. Der Termin wurde aber bereits verschoben. In der KirchMedia ist das profitable Kirch- Kerngeschäft gebündelt. Dazu gehören unter anderem das Free TV, der Rechtehandel und die Produktion.

Ungewiss ist weiter auch die Zukunft von Premiere. Kofler gab sich optimistisch. »Mit dem Thema Insolvenz beschäftigen wir uns überhaupt nicht«, sagte er. Mindestens 25 bis 30 Prozent der 2.400 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden. Der Aufsichtsrat habe den Plan einstimmig abgesegnet. Unklar ist, wer die weiteren Verluste bis zum Erreichen der Gewinnschwelle übernehmen soll. Die angeschlagene KirchGruppe hat in den vergangenen Jahren Milliarden in das Abenteuer Pay TV gesteckt. 2001 stieg das Minus vor Steuern und Zinsen laut Kofler noch einmal von 743,5 auf 989 Millionen Euro. Der Umsatz ging gleichzeitig leicht auf 813,1 Millionen Euro zurück. Die Zahl der Abonnenten soll von 2,4 auf über drei Millionen im Jahr 2003 steigen.

Nicht mehr so teuer einkaufen

Auch bei den Einkaufspreisen für Filme und Sport will Kofler sparen. »Wir haben Preise gezahlt, die auf dem deutschen Pay TV-Markt nicht zu erwirtschaften sind«, sagte er. Bei Verhandlungen mit Hollywood-Studios will er die Kosten für die Filmrechte drücken. Dabei sei auch ein Einstieg der Studios bei Premiere möglich. Bei der Neuordnung der unübersichtlichen Programmstruktur will der Südtiroler ab 1. Mai auf sieben Kanälen möglichst aktuelle Kinofilme zeigen. Im Sportbereich will er sich auf die Publikumsrenner Fußball und Formel 1 konzentrieren. Für einzelne Sportereignisse, die neuesten Kinohits und Erotikfilme müssen die Abonnenten im »Pay per View«-Verfahren extra bezahlen. Das günstigste Premiere Start-Angebot gibt es künftig für fünf Euro im Monat. Bisher startete das Angebot erst bei 15 Euro.