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Medien: Springer schluckt ProSieben Sat1

Vor zwei Jahren ist der US-Investor Haim Saban bei ProSieben Sat1 eingestiegen. Nun wird der TV-Konzern wieder verkauft - an den Axel Springer Verlag, der damit zum zweitgrößten deutschen Medienunternehmen aufsteigt.

Paukenschlag in der Medienszene: Für knapp 2,5 Milliarden Euro übernimmt die Verlagsgruppe Axel Springer ("Bild", "Welt", "Hörzu") die Mehrheit am größten deutschen TV-Konzern ProSieben Sat1. Mittelfristig ist die komplette Verschmelzung beider Unternehmen geplant. In einem ersten Schritt wurde mit der Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban, den Mehrheitseignern von ProSieben Sat1, der Kauf aller Anteile durch Springer vereinbart. Dadurch erhöht sich der Springer-Anteil an ProSieben Sat1 auf 62,5 Prozent des Kapitals, Springer hat sich dadurch aber alle stimmberechtigten Stammaktien der Senderfamilie gesichert.

Standbein im profitablen TV-Markt

"Mit dem Erwerb von ProSieben Sat1 nutzen wir eine einzigartige Gelegenheit", sagte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner am Freitag. Deutschlands größtes Zeitungshaus schafft sich ein zweites Standbein in einer hochprofitablen Mediensparte. Damit gewinnt der Springer-Verlag die Kontrolle über Fernsehsender wie ProSieben, Sat1, Kabel 1 und dem Nachrichtenkanal N24. Die deutsche Medienlandschaft steht mit der Schaffung eines zweiten integrierten Medienkonzerns mit Verlags- und TV-Aktivitäten neben Bertelsmann vor einem Umbruch. Allerdings müssen noch die Kartellbehörden zustimmen.

Springer will den Löwenanteil des Kaufpreises bar bezahlen. Die Finanzierung sei bereits sichergestellt, erklärte der Verlag. Den freien Aktionären, die nur im Besitz von Vorzugsaktien sind, soll ebenfalls ein Übernahmeangebot gemacht werden. Vorläufige Berechnungen liegen bei 14,10 Euro je Aktie. Wer dieses Pflichtangebot nicht annimmt, soll später im Rahmen der Verschmelzung Springer-Aktien für seine Anteile erhalten. Der Aufsichtsrat von Springer und der Vorstand von ProSieben Sat1 haben dem Vorhaben angeblich bereits zugestimmt. Nach Abschluss des Übernahmeangebots plant Springer eine Kapitalerhöhung mit der Ausgabe neuer Vorzugsaktien. Mittelfristig sollen dann die Axel Springer AG und ProSieben Sat1 verschmolzen werden.

Zweitgrößter deutscher Medienkonzern

"Mit der Übernahme der profitabelsten deutschen Sendergruppe entsteht der einzige börsennotierte Medienkonzern in Deutschland, der sowohl im Printmedien- als auch im TV-Geschäft tätig ist", hieß es. Außerdem entsteht durch die Übernahme der zweitgrößte deutsche Medienkonzern nach Bertelsmann - der aber duch sein Buchgeschäft einen deutlich größeren Umsatz in die Waagschale wirft. Mit dem Schritt erfüllt Springer-Chef Mathias Döpfner auch den Traum des Verlagsgründers Axel Springer, den mittlerweile größten europäischen Zeitungsverlag auf den Fernsehbereich auszuweiten.

Für die Investorengruppe um Haim Saban erweist sich das Intermezzo in der deutschen Medienszene als lukratives Gastspiel: Im Rahmen der Übernahme werden die bisherigen ProSieben-Mehrheitseigner 23,37 Euro je Stammaktie bar erhalten. Nach der Pleite der Kirch-Gruppe vor zwei Jahren hatten sie für die erste große Aktien-Tranche ihrer Beteiligung noch 7,50 Euro je Aktie gezahlt. Ein kleiner Teil der Übernahme soll mit Springer-Aktien bezahlt werden, die Saban-Gruppe erhält so einen Anteil von 2,41 Prozent am Springer-Verlag.

Saban wird Vorsitzender im Springer-TV-Beirat

Im Zuge der Übernahme erhält die Investoren-Gruppe um Haim Saban 820.000 Aktien der Axel Springer AG. Dies entspricht 2,4 Prozent des Grundkapitals. Saban wird künftig Vorsitzender des TV-Beirats bei Springer. "Der Zusammenschluss mit Axel Springer ist für ProSieben Sat1 ein entscheidender Schritt in die Zukunft", sagte er. Saban hatte gemeinsam mit Finanzinvestoren wie Providence Equity Partners und Hellman & Friedman vor zwei Jahren die Sendergruppe aus der Insolvenzmasse der zusammengebrochenen KirchGruppe übernommen. Derzeit ist er Aufsichtsratschef von ProSieben Sat1.

ProSieben Sat1-Vorstandschef Guillaume de Posch begrüßte die Übernahme. "Nach der erfolgreichen Restrukturierung und den jüngsten Zuwächsen bei Marktanteilen und Gewinnen ist es jetzt wichtig, dem Unternehmen neue strategische Perspektiven zu eröffnen." Gemeinsam seien beide Unternehmen gut positioniert, um auch international eine starke Position einzunehmen. In den vergangenen beiden Jahren hatte ProSieben Sat1 unter den neuen Besitzern Fortschritte gemacht. 2004 verbesserte sich das Ergebnis vor Steuern von 57 auf 217,5 Millionen Euro. Den Umsatz steigerte der Konzern um 1,5 Prozent auf gut 1,8 Milliarden Euro. Alle Sender der Gruppe schrieben schwarze Zahlen. Zu ProSieben Sat1 gehören neben den beiden Kernsendern auch Kabel 1 und der Nachrichtenkanal N24. Der Konzern hat 2700 Mitarbeiter.

Posch will ProSieben Sat1 weiter führen

Der Belgier de Posch will nach Angaben aus Unternehmenskreisen auch nach der Übernahme den TV-Konzern führen. Die Vorstände seien gefragt worden, ob sie nach der Übernahme weiter machen wollen, hieß es aus Unternehmenskreisen. Dies habe Posch bejaht. Auch Springer gab ein Signal, mit der bisherigen Führung weiter arbeiten zu wollen. Man verfüge künftig "mit dem Management und den Mitarbeitern von ProSieben Sat1 über das beste und erfolgreichste Team im deutschen TV-Geschäft", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner.

DPA/Reuters / DPA / Reuters