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Milch-Boykott: Milchbauern und Industrie wollen verhandeln

Nach dem mehrtägigen Lieferboykott wollen sich Milchbauern und Industrie an einen Tisch setzen und einen Ausweg aus der Krise suchen. Sonntagabend soll es erste Kontakte zwischen dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) und dem Milchindustrieverband (MIV) geben.

Milchbauern und Industrie wollen noch an diesem Wochenende den Weg zu "zielführenden Gesprächen" öffnen. "Wir sind gesprächsbereit", erklärte Pressesprecher Franz Grosse. Die Initiative sei jetzt vom Verband der Milchindustrie (MIV) ausgegangen, er habe schon vor Tagen eine Einladung ausgesprochen. Der stellvertretende BDM-Vorsitzende Stefan Mann bekräftigte die Entschlossenheit der Bauern: "Solange es kein Entgegenkommen der Milchindustrie gibt, setzen wir unsere Aktionen fort", sagte er.

Bundesweiter Aktionstag vor Molkereien geplant

Am Montag soll es einen bundesweiten Aktionstag vor den Molkereien geben. Laut BDM kommt inzwischen mehr als 70 Prozent der normalerweise gelieferten Menge nicht mehr bei den Molkereien an. Es beteiligten sich fast alle 32.000 BDM-Mitgliedsbetriebe. An vielen Standorten des Lebensmitteleinzelhandels mache sich der Boykott mittlerweile bemerkbar, erklärte der BDM weiter.

Dem widersprach der Einzelhandel. "Die Regale und Lager sind voll", sagte der Sprecher des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. Es sei auch nicht abzusehen, dass es zu Engpässen kommen könne.

Bauern wollen 43 Cent pro Liter Milch

Die Milchbauern wollen einen Milchpreis von 43 Cent pro Liter durchsetzen. Derzeit erhalten sie nach eigenen Angaben maximal 35 Cent. Der Boykott hatte am Dienstag begonnen. Unterstützung erhielten die Bauern von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer und dem Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner. "Es wird höchste Zeit, dass der Handel endlich umdenkt und den Bauern faire Preise zahlt", verlangte Sonnleitner in der "Bild am Sonntag".

Sonnleitner forderte zugleich die Molkereien auf, "sofort aufs Neue harte Preisverhandlungen mit dem Handel zu führen". Sonnleitner appellierte auch an die Verbraucher: Ein fairer Milchpreis koste eine vierköpfige Familie im Schnitt 3,20 Euro mehr pro Monat; dafür seien eine sichere Milchversorgung und stabilere Preise gewährleistet.

Seehofer kritisierte die EU-Landwirtschaftspolitik: "Die Erhöhung der Milchquote in der EU, die die Preise für deutsche Bauern drückt, war ein Fehler", sagte der CSU-Minister der "Welt am Sonntag". Es müsse über Hilfen für die Bauern beispielsweise in der Alpenregion nachgedacht werden. Seehofer forderte zugleich die Nahrungsmittelkonzerne auf, den Bauern mehr zu zahlen. Wenn Deutschland komplett von Milchimporten abhängig werden würde, drohten rasante Preissteigerungen, warnte der Minister.

AP

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