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Bauerntag: Milch, Märkte, Megaställe: Mit diesen Problemen kämpfen Landwirte

Für Landwirte sind es schwierige Zeiten. Die Preise für wichtige Produkte sind im Keller, Finanzpolster schmelzen. Zum Bauerntag steht die Branche von vielen Seiten unter Druck - kann die Politik helfen?

Bauerntag: Milch, Massentierhaltung, Märkte sind Probleme der Landwirte

Landwirte kämpfen gegen den billigen Milchpreis. Aber es gibt noch mehr Baustellen auf den Bauernhöfen. 

Wenn die Mähdrescher bald wieder auf die Felder rollen, bekommen die Bauern es ganz akut zu spüren: ihr eingebautes Berufsrisiko. Wie gut die Ernte wird, hängt natürlich immer auch am Wetter. Und das war diesmal teils zu nass, in anderen Regionen ziemlich trocken. Entscheidend fürs Getreide und den Raps sind nun noch die nächsten zwei bis drei Wochen, wie Bauernpräsident Joachim Rukwied sagt. Neben den Unwägbarkeiten des Himmels machen der Branche aber gerade gleich mehrere Problemfeldern zu schaffen. Die Landwirte befürchten das zweite Minusjahr bei den Einkommen in Folge.

Kampf der Landwirte

DIE MILCHKRISE: Ein drastischer Preisabsturz hat tausende Bauern in Bedrängnis gebracht - es ist schlicht zu viel Milch auf dem Markt.
Mindestens 35 Cent je Liter müssten es meist sein, um die Kosten zu decken. Drin waren zuletzt aber nur noch um die 25 Cent, teils sogar weniger. Um Auswege aus der Krise tobt Streit. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) sieht Landwirte, Molkereien und Handel am Zuge, die Mengen zu drosseln. Der Verband der Milchviehhalter und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft rufen nach Boni vom Staat für weniger produzierte Liter. Der größere Bauernverband verlangt zu allererst eines, wenn Schmidt an diesem Donnerstag zum Bauerntag nach Hannover kommt: konkrete Summen für die bisher vage in Aussicht gestellten Bundeshilfen von "100 Millionen Euro plus X".

DIE WELTMARKT-EFFEKTE: Entscheidenden Einfluss auf die Erträge haben längst internationale Märkte. Da kommt es in den Dörfern an, wenn die Nachfrage in Asien schwächelt. Außer bei Milch schlägt das gerade zum Beispiel auch bei Schweinehaltern ins Kontor. Die Getreidepreise sind ebenfalls unter das Vorjahresniveau gesackt, wie der Bauernverband registriert. "Die gesamte Branche ist unter Druck", sagt Rukwied.
Daher sollten auch alle Betriebe neue Steuerentlastungsmöglichkeiten bekommen. Die Grünen sehen Preiskrisen dagegen als Schattenseite der Export-Orientierung. "Neue Märkte liegen nicht auf dem Weltmarkt", warnt der Agrarexperte im Bundestag, Friedrich Ostendorff. Ziel müsse mehr regionale Wertschöpfung mit kleinen und mittleren Höfen sein.

DIE POLITISCHEN KRISEN: Die internationalen Absatzmärkte strahlen nicht nur mit Nachfrageschwankungen auf die Bauern aus. Verschärfend kommen politische Barrieren hinzu. Seit zwei Jahren blockt Russland Agrarimporte als Antwort auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise ab - Entspannung nicht in Sicht. Dadurch bleiben mehr Produkte im EU-Markt und verwässern die Preise. Neue Unruhe löst nun noch das Votum für einen EU-Ausstieg Großbritanniens aus. Lange Trennungsverhandlungen könnten den Agrarhandel erschweren. Und was wird aus der wichtigen EU-Finanzierung für die Bauern, wenn London als großer Nettozahler wegfällt? Ein erster Effekt ist schon das abgerutschte britische Pfund: Das verringert die Kaufkraft für Agrarimporte aus der EU und macht im Gegenzug britische Lebensmittelexporte in die EU billiger.

Landwirtschaft unter Druck

DER STREIT UM TIER- UND UMWELTSCHUTZ: Unter Druck steht die Branche auch auf einem anderen politischen Feld. Zum Bauerntag kocht die Debatte über Umweltfolgen und die Tierhaltung wieder hoch. Das weit verbreitete Unkrautgift Glyphosat hat mit der Hängepartie um seine EU-Zulassung zweifelhafte Bekanntheit erlangt. Supermarktkunden interessieren sich zusehends dafür, wie Tiere im Stall leben. "Ich sage ganz selbstbewusst: Wir haben höchste Standards, wenn ich das weltweit vergleiche", betont Rukwied. Megaställe mit tausenden Schweinen oder Hühnern bleiben für Kritiker aber der falsche Weg, wie auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter deutlich macht: "Wir wollen Massentierhaltung in den nächsten 20 Jahren abschaffen."

kg / DPA