HOME

Landwirtschaft: Pferde statt Kühe: Warum einer der letzten Milchbauern in Hamburg seinen Hof verliert

Wenn landwirtschaftliche Flächen verkauft werden, werden Landwirte eigentlich bevorzugt. Von dem Vorkaufsrecht geht auch ein Hamburger Milchbauer aus. Doch es kommt anders: Statt Milchkühe ziehen bald Reitpferde in die Ställe. Was ist geschehen?

Hamburger Milchhof

140 Milchkühe muss Hauke Jaacks verkaufen oder schlachten, wenn die Hamburger Wirtschaftsbehörde ihre Entscheidung nicht zurücknimmt (Symbolbild).

Getty Images

Seit 14 Jahren bewirtschaftet die Familie Jaacks einen Milchbetrieb mit derzeit 314 Tieren, darunter sind auch 140 Milchkühe. Der Hof ist bislang von den Jaacks nur gepachtet worden. Als die Familie erfährt, dass der Hof verkauft werden soll, geben auch sie ein Kaufangebot ab. Sie verlassen sich auf das Vorkaufsrecht für Landwirte. Doch dann kommt alles anders. Der Zuschlag für den Hof geht an ein Ehepaar, beide sind Immobilienmakler. Der Plan des Paares: Sie wollen einen Pferdehof aus dem landwirtschaftlichen Betrieb machen. Das geht aus internen Dokumenten der Behörde hervor, die dem "NDR" vorliegen.

Für die Familie Jaacks bricht indes eine Welt zusammen.

"Für mich war es unmöglich, dass so etwas je passieren könnte", sagt Milchbauer Hauke Jaacks dem "NDR". Denn ein Hof darf nicht einfach an jemanden verkauft werden, der nicht in der Landwirtschaft arbeitet. Die Stadt muss eigentlich ein Gesetz zur Sicherung landwirtschaftlicher Betriebe berücksichtigen. Doch die erlaubte den Verkauf an zwei Immobilienmakler. 

Johannes Eichhorn ist Schäfer, Influencer und Tänzer

Milchbauer droht Hof zu verlieren - Behörde hätte anders entscheiden können

Zuständig für den Hof ist die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. Die sagt, "dass der Erwerber mit einem landwirtschaftlichen Betrieb gleichzustellen ist und somit keine Versagensgründe vorliegen." Das bedeutet: Der Verkauf des Hofs an die Immoblienmakler ist rechtens. Doch die Hamburger Behörde hätte auch anders entscheiden können. Das Bundeslandwirschaftsministerium bestätigt das dem "NDR": "Wenn ein Landwirt die Fläche braucht, damit er weiter existieren kann, dann kann die Prüfbehörde den Verkauf an den Nichtlandwirt versagen."

Der Milchhof von Familie Jaacks ist der letzte dieser Art im Westen Hamburgs. Nun hat sich auch die Politik eingeschaltet. SPD und Grüne haben einen Antrag für den Erhalt landwirtschaftlicher Betriebe beschlossen. Aber am Ende entscheidet die Wirtschaftsbehörde über den Verbleib des Milchhofs. Nimmt die ihre Entscheidung nicht zurück, müssen 314 Tiere verkauft oder geschlachtet werden. Hauke Jaacks hat Widerspruch eingelegt. Nicht nur er, sondern auch sein sechsjähriger Sohn würden ungern ihr Zuhause verlassen müssen.

Quelle: "NDR"

Themen in diesem Artikel