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Nach "Bild"-Boykott: Edeka-Markt legt sich mit Zeitungshändler an

Weil sich ein Edeka-Markt in Chemnitz weigert, die "Bild"-Zeitung zu verkaufen, wird er nun gar nicht mehr mit Zeitungen beliefert. Doch der Supermarkt bleibt stur.

"Bild dir deine Meinung"? - Nicht im Edeka-Markt Heymer in Chemnitz. Die Boulevard-Zeitung wird dort nicht verkauft. Nun liefert der zuständige Pressevertrieb gar keine Zeitungen mehr an den Markt.

"Bild dir deine Meinung"? - Nicht im Edeka-Markt Heymer in Chemnitz. Die Boulevard-Zeitung wird dort nicht verkauft. Nun liefert der zuständige Pressevertrieb gar keine Zeitungen mehr an den Markt.

Große Buchstaben, bunte Bilder und leicht bekleidete Damen auf der Titelseite: Mit dieser Mischung gewinnt die "Bild"-Zeitung jeden Tag mehr als zwei Millionen Leser in Deutschland. Wer allerdings vor den Zeitschriftenregalen im Chemnitzer Edeka-Markt Heymer steht, wird das Boulevard-Blatt nicht entdecken - und auch keine andere Zeitung.

Für die leeren Regale gibt es einen einfachen Grund: Der Markt weigert sich, die "Bild"-Zeitung" zu verkaufen, deshalb wird das Geschäft nun mit gar keiner Zeitung oder Zeitschrift mehr beliefert. Das berichtet unter anderem die Chemnitzer Zeitung Freie Presse. Der Mitteldeutsche Pressevertrieb (MPV), ein Pressezulieferer aus Thüringen, hat die Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelmarkt gekündigt. "Heute morgen erreichte uns die Kündigung - mit der Begründung, dass wir uns standhaft weigern, die "Bild"-Zeitung zur Auslage zu bringen", schrieb der Betreiber des Edeka-Marktes auf Facebook. Da es ein Gebietsrecht für Zeitungshändler gebe, dürfe sich der Markt nun von keinem anderen Pressevertrieb beliefern lassen.

Protest gegen Germanwings-Berichte

Nicht nur der Edeka-Markt hatte die "Bild"-Zeitung aus dem Sortiment verbannt. Auch ein Kiosk im hessischen Marburg, eine Tankstelle in Papenburg (Niedersachsen) und ein Lebensmittelgeschäft in Stuttgart hatten den Verkauf des Boulevard-Blattes eingestellt und ihren Boykott im Netz publik gemacht.

Sie alle empören sich über die Art und Weise, wie die "Bild" über den Absturz des Germanwings-Fluges 9525 im März berichtet hatten. Man wolle "unprofessionellem Journalismus keine Plattform mehr geben", heißt es in einer Erklärung des Edeka-Betreibers auf der Facebook-Seite des Marktes. Eine Aral-Tankstelle in Bendorf in Rheinland-Pfalz habe die Boulevard-Zeitung zwischenzeitlich ebenfalls boykottiert, sie nun aber wieder ins Sortiment aufgenommen, schreibt die taz.

Sehr geehrte Kundschaft,heute Morgen nun erreichte uns die Kündigung des MITTELDEUTSCHEN PRESSEVERTRIEBES!Mit der Begr...

Posted by Edeka Heymer on Donnerstag, 21. Mai 2015

Springer pocht auf Medienvielfalt

Der Springer-Verlag bestätigte dem Online-Magazin W&V, dass der MPV den Chemnitzer Edeka-Markt nicht mehr beliefert. Das Unternehmen äußerte sein Bedauern über den Boykott des Zeitschriftenhändlers: "Ein Zeitungshändler hat, abgesehen von seiner persönlichen Meinung, eine wichtige Funktion: Mit seiner Auslage ermöglicht er seinen Kunden, die Medienvielfalt in Deutschland überhaupt in Anspruch nehmen und sich ihre eigene Meinung bilden zu können", heißt es bei Springer. Der Verlag verweist auf das "Grosso-Dispositions-System": Es regelt, welcher Großhändler in welchem Gebiet Zeitungen zustellen darf und garantiere ein vielfältiges Medienangebot im Einzelhandel. Der Boykott der Händler sei bedauerlich, die Unternehmen wolle jedoch weiter das Gespräch suchen, um "im Sinne der Leser" eine Lösung zu finden.

Für jene Kunden, die auf die tägliche "Bild"-Lektüre nicht verzichten wollen, hat der Betreiber des Edeka-Markts einen pragmatischen Rat: Sie mögen doch bitte einfach drei Schritte weiter zum nächsten Kiosk gehen. Die Regale im Edeka-Markt Heyer sollen nicht lange leer bleiben - statt mit Boulevard-Blättern sollen sie nun mit Büchern aufgefüllt werden.

las