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Nach Kauf der Rhön-Kliniken Fresenius wird größter Krankenhausbetreiber Europas

Fresenius kauft den Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum auf. Für 3,07 Milliarden Euro ensteht der größte private Klinikbetreiber in Europa. Es fehlt nur noch eine Genehmigung des Kartellamts.

Nach dem Scheitern einer Übernahme kauft der Gesundheitskonzern Fresenius nun einen Großteil der Kliniken des Krankenhausbetreibers Rhön-Klinikum. Der Kaufvertrag über 3,07 Milliarden Euro sei am Freitag unterzeichnet worden, teilten beide Unternehmen mit. Es entstehe der größte private Klinikbetreiber Europas mit insgesamt 117 Kliniken und 50 medizinischen Versorgungszentren, erklärte die Fresenius-Tochter Helios: "Künftig wird die Mehrheit der Menschen in Deutschland binnen einer Stunde eine Helios-Klinik erreichen können". Der Kauf muss von den Kartellbehörden noch genehmigt werden. Er soll Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Der Medizinkonzern Fresenius

Der Medizinkonzern Fresenius stellt Produkte für die Dialyse, Generika oder auch Infusionslösungen her. Er betreibt Krankenhäuser und Dialysekliniken. Die Gruppe ist gleich zweimal im Leitindex Dax vertreten: Neben der Mutter Fresenius SE & Co. KGaA ist auch die wichtigste Tochter Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA (FMC) gelistet. 2012 erzielte die Gruppe 19,3 Milliarden Euro Umsatz. Der Konzern beschäftigte Ende Juni 173 325 Menschen. Zu Fresenius zählen vier Bereiche, darunter der Klinikbetreiber Helios mit zuletzt 74 Krankenhäusern, 43 kommen nun von der Rhön-Klinikum AG hinzu. Helios mit Sitz in Berlin beschäftigt rund 43.000 Mitarbeiter.

Fresenius hatte Rhön-Klinikum bereits im vergangenen Jahr ganz übernehmen wollen, war aber mit seinem Angebot an die Aktionäre gescheitert. Die Anteilseigner dienten Fresenius nur 84,3 Prozent der Aktien an, Fresenius hatte aber eine Mindestannahmequote von 90 Prozent zur Bedingung gemacht. Verhindert hatte die Übernahme der Konkurrent Asklepios mit einer dafür eigens erworbenen Beteiligung an Rhön-Klinikum.

Sorgen unbegründet

Den Kauf von 43 Kliniken und 15 Versorgungszentren mit einem Umsatz von rund zwei Milliarden Euro müssen die Aktionäre nun nicht absegnen - dafür "im Einzelfall die vormaligen kommunalen Träger beziehungsweise die Minderheitsgesellschafter". Vom Kauf von Rhön-Klinikum erhofft sich Fresenius Helios auch Kostenvorteile, etwa beim Einkauf.

Der Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum

Rhön-Klinikum ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Einkaufstour. Seit der Gründung im Jahr 1973 übernahm das Unternehmen die Kliniken klammer Kommunen, so entstand einer der größten Krankenhausbetreiber in Deutschland. Aktuell führt Rhön von seinem Sitz im fränkischen Bad Neustadt 54 Kliniken, rund 2,6 Millionen Patienten wurden dort im vergangenen Jahr behandelt. Der börsennotierte Konzern machte 2012 einen Umsatz von fast 2,9 Milliarden Euro und beschäftigte 43 000 Mitarbeiter. Nun gibt er den Großteil seiner Krankenhäuser ab - der Umsatz schrumpft damit auf etwa eine Milliarde Euro, die Zahl der Mitarbeiter auf 15.000.

"Viele werden die Vorteile aus der gemeinsam erreichten Größe und Flächenpräsenz begrüßen", erklärte Helios-Chef Francesco De Meo. "Einige werden sie mit Sorge betrachten." Diese Sorgen seien aber unbegründet. Mit einem "Verbund dieser Größe" könnten die Unternehmen ihre Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern unterschiedlicher Versorgungsstufen verbessern, die Versorgung ländlicher Gebiete aufrecht erhalten sowie neue Angebotsmodelle entwickeln.

Verdi fordert Arbeitsplätze statt Gewinnausschüttung

Die Gewerkschaft Verdi verlangt nach der Übernahme eines Großteils der Rhön-Kliniken durch den Medizinkonzern Fresenius Regeln zur Sicherung der Standorte. Es sei zu befürchten, dass der Kaufpreis von mehr als drei Milliarden Euro vor allem von den Beschäftigten erwirtschaftet werden müsse. "Das bedeutet höhere Arbeitsverdichtung und mehr Druck auf die Löhne", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler am Freitag in Berlin. Verdi will sofort Verhandlungen mit Fresenius aufnehmen, "um den Arbeitnehmern bei Rhön und Helios Sicherheit und Schutz zu geben".

Verdi kritisierte zudem den Plan, im Zuge der Übernahme zwei Milliarden Euro an die Rhön-Anteilseigner auszuschütten. Damit würden faktisch Sozialversicherungsbeiträge zu Gewinnen von Aktionären gemacht. "Dieses Geld müsste in das Gesundheitswesen und mehr Personal im Restkonzern Rhön investiert werden. Zufriedene Aktionäre machen niemanden gesund", fügte Bühler hinzu.

jat/AFP/DPA DPA

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