Nach Verlusten Stellenkahlschlag in der Karstadt-Zentrale


Die Warenhauskette Karstadt kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus. Wie das Unternehmen bestätigte, will der Mutterkonzern Arcandor nach dem schlechten Quartalsergebnis mehr als 400 Arbeitsplätze in der Essener Kaufhauszentrale streichen. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi wollen das verhindern.

Der Touristik- und Handelskonzern Arcandor will wegen der schlechten Lage seines Tochterunternehmens Karstadt jeden fünften Arbeitsplatz in der Essener Zentrale der Kaufhauskette streichen. Betroffen sind nach Angaben des Konzerns 400 bis 450 der 2000 Verwaltungs- und Leitungsstellen. "Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen", erklärte Karstadt-Sprecher Michael Scheibe am Dienstag.

Karstadt wolle nicht nur die Zahl der Verwaltungsangestellten verkleinern, es seien auch bereits 16 der 42 Managerstellen der zweiten Ebene abgebaut worden, teilte Scheibe mit. Wer von den Beschäftigten gehen muss, solle bis Jahresende feststehen. Die Stellen würden über Altersteilzeit, Vorruhestand, Umsetzungen oder auch betriebsbedingte Kündigungen abgebaut. Das Personal in den Kaufhäusern sei von den Streichungen nicht betroffen.

Arbeitnehmer machen alternative Einsparungsvorschläge

Der Betriebsrat und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wollen den massiven Stellenabbau verhindern. Die Arbeitnehmer hätten dazu eine Liste für Sacheinsparungen vorgelegt, sagte Verdi Landesprecher Günter Isemeyer in Düsseldorf. "Ziel ist es, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern." Der Betriebsrat stehe bereits in Gesprächen mit der Geschäftsführung. Dabei gehe es auch um Interessensausgleiche und einen Sozialplan.

Arcandor hatte im August schwache Karstadt-Geschäftszahlen bekanntgegeben und Konsequenzen angekündigt. Der Mutterkonzern macht vor allem das schlechte Konsumklima für die Probleme verantwortlich. Verdi sieht darüber hinaus auch Fehler auf Seiten des Managements. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hatte Arcandor-Chef Thomas Middelhoff im August vorgeworfen, seit drei Jahren kein schlüssiges Konzept zu haben. Entscheidend sei, dass die Warenhaussparte allein nicht erfolgreich sein könne, hieß es mit Blick auf eine mögliche Allianz mit dem Konkurrenten Kaufhof.

Deutliche Verschlechterung bei Umsatz und Ergebnis

Karstadt war im dritten Quartal stark unter Druck geraten. Das operative Ergebnis verschlechterte sich um 42,5 Millionen auf minus 50,9 Millionen Euro. Der Umsatz ging von April bis Ende Juni um 1,9 Prozent auf 886,9 Millionen Euro zurück. Middelhoff hatte daraufhin ein erneutes Kostensenkungsprogramm angekündigt, das nach Erklärung von Finanzchef Peter Diesch auch einen Personalabbau unter den noch rund 23000 Mitarbeitern der Kaufhaustochter enthalten sollte. Zuvor hatte Karstadt-Manager Peter Wolf seinen Platz räumen müssen.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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