HOME

Nachfolge: Deutsche Bank zittert um Ackermann

Durch die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses gerät Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, wieder ins Visier der Öffentlichkeit. Und lenkt die Blicke auf einen wunden Punkt der Bank: das Nachfolgeproblem.

Eigentlich läuft es für Josef Ackermann derzeit nicht schlecht. Die Kritiker in den eigenen Reihen der Deutschen Bank haben sich beruhigt oder sind nicht mehr an Bord, und das ehrgeizige Gewinnziel des größten deutschen Finanzhauses für 2005 scheint in Reichweite. Nur ein Problem ist zumindest bis zur Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) noch nicht vom Tisch: Der Mannesmann-Prozess, der Ackermann nach seinem Victory-Zeichen vor Gericht im vergangenen Jahr bereits eine Menge negativer Schlagzeilen bescherte, könnte noch einmal aufgerollt werden.

Niemand rechnet mit einem Rücktritt

Zwar rechnet niemand am Finanzplatz Frankfurt mit einem Rücktritt des Vorstandssprechers in den kommenden Wochen - gleichgültig, wie der BGH sich zu dem Fall äußert. Und doch bleibt eine kleine, fast nur theoretische Unsicherheit bestehen und offenbart damit ein Dilemma der Deutschen Bank: Ein designierter Nachfolger für Ackermann ist nirgendwo in Sicht.

"Die Deutsche Bank hat ganz klar ein Nachfolgeproblem", sagt ein Kenner von Deutschlands größtem Geldhaus. Mit der Berufung Ackermanns auf den Posten des Vorstandssprechers 2002 wurde die Führung der Bank völlig auf seine Person ausgerichtet. Dem eigentlichen Vorstand gehören nur drei weitere Manager an, von denen Clemens Börsig und Hermann-Josef Lamberti keine gelernten Banker sind und deshalb auch als potenzielle Nachfolger kaum Chancen haben. Der nicht unbedingt für seinen Esprit bekannte Personalvorstand Tessen von Heydebreck ist bereits 60 Jahre alt und käme allenfalls als Not- oder Übergangslösung in Frage.

Kein Kronprinz in Sicht

Im mächtigen "Group Executive Committee" der Bank sitzen eine Menge internationaler Banker, doch als Kronprinz hätte vermutlich nur der oberste Investmentbanker Anshu Jain eine Perspektive. Die Berufung des gebürtigen Inders wäre allerdings ein "hundertprozentiger Kulturbruch" an der Spitze des Geldhauses, wie es ein Analyst formuliert, und würde hier zu Lande vermutlich für Aufruhr sorgen. Jain wiederum könnte wenig Lust verspüren, sich mit deutschen Medien oder Gewerkschaften anzulegen. Sorgen um seine finanzielle Zukunft braucht er sich bereits heute keine mehr zu machen.

Übrig bleiben noch Kandidaten, die von außerhalb der Bank kommen und zumindest in der Gerüchteküche schon für einigen Gesprächsstoff sorgten: Allen voran WestLB-Chef Thomas Fischer, der 2002 aus dem Vorstand der Deutsche Bank ausschied und damals Ackermann das Feld überließ. Er gilt als besonders ehrgeizig. Auch Heinz-Joachim Neubürger, ehemals Abteilungsleiter bei der amerikanischen Investmentbank J.P. Morgan und heute Finanzvorstand von Siemens, fand bereits Erwähnung. Für mutige Spekulationen könnten auch die Namen von Dresdner-Bank-Vorstandschef Herbert Walter, der früher die Deutsche Bank 24 leitete, und Alexander Dibelius, bei Goldman Sachs für die Geschäfte in Deutschland verantwortlich, geeignet sein.

Ackermann-Vertrag noch nicht verlängert

Ackermann selbst betont in diesen Tagen, er sei sich weiterhin der "uneingeschränkten Unterstützung" durch den Aufsichtsrat bewusst, der die Vorwürfe im Mannesmann-Prozess für unbegründet hält. Kein Grund zur Beunruhigung also? Etwas ungewöhnlich finden manche Beobachter, dass Ackermanns Vertrag, der nach Angaben der Bank "gegen Ende nächsten Jahres" ausläuft, dann nicht schon mal verlängert wird - als Rückendeckung sozusagen und Anerkennung der erfreulichen Geschäftszahlen. Bei anderen Konzernen ist ein solches Verfahren durchaus üblich.

Alexander Missal/DPA / DPA