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Negativzinsen für Staatsanleihen Investoren schenken Deutschland Geld

Das gab es noch nie: Die Bundesrepublik nimmt am Kapitalmarkt Milliarden auf – und bekommt mehr, als sie in sechs Monaten zurückzahlen muss. Aus Anlegersicht ist das logisch.
Von Barbara Schäfer, Frankfurt

Die Eurokrise beschert dem Bund eine Sicherheitsprämie: Für den Kauf deutscher Geldmarktpapiere zahlten Investoren am Montag so viel Geld, dass ihre Rendite negativ ausfiel. Sie rutschte bei einer Auktion von Sechsmonatsläufern auf einen Wert von minus 0,0122 Prozent, wie die mit dem staatlichen Schuldenmanagement betraute Finanzagentur in Frankfurt mitteilte. "Das hat es bislang noch nie gegeben", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Statt Zinsen zu kassieren, zahlen die Investoren bei einer negativen Rendite eine Prämie dafür, dass sie dem Staat Geld leihen.

Von Negativzinsen profitierten in den vergangenen Wochen auch Dänemark, die Niederlande und die Schweiz. Wie Deutschland stehen auch diese Staaten finanziell vergleichsweise solide da. Ihre Geldmarktpapiere gelten deshalb als sicherer Zufluchtsort für Investoren, die Anleihen hoch verschuldeter Staaten und schwankungsanfällige Anlagen wie Aktien meiden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble profitiert schon seit Ausbruch der Eurokrise von einem Rückgang der staatlichen Refinanzierungskosten. Auf dem Sekundärmarkt - also im Handel mit umlaufenden Schuldtiteln - sind die Renditen von Geldmarktpapieren seit Ende November negativ.

Neue Auktionsregeln

Dass die Renditen jetzt erstmals auch auf dem Primärmarkt ins Minus rutschten, hängt mit einer Umstellung der Auktionsregeln zusammen. Bislang gaben die Bieter dort die Renditen an, die sie zu zahlen bereit waren. Nach den neuen Regeln werden stattdessen die Kurse angegeben.

Bei einem Kurs von über 100 Prozent des Nennwerts für ein Geldmarktpapier dreht die Rendite ins Minus. Geldmarktpapiere werden nämlich unverzinst begeben. Normalerweise kassiert der Investor eine Rendite dadurch, dass er das Papier zu einem Kurs unter 100 Prozent erwirbt und nach Ende der Laufzeit den vollen Nennwert zurückerstattet bekommt.

Die Auktion spülte dem Bund 3,9 Milliarden Euro in die Kassen. Die Nachfrage lag bei 7 Milliarden Euro, sie übetraf das Angebot um den Faktor 1,8.

Negativzinsen seien auch ein Zeichen für das wachsende Misstrauen gegenüber den Banken, sagte kürzlich der Analyst Thomas Wacker von der Schweizer Bank UBS der "Finacial Times Deutschland". Vor allem Anleger mit großen Geldsummen zweifelten an der Fähigkeit einzelner Kreditinstitute, das Geld auf einen Schlag zurückzuzahlen. Das gelte zum Beispiel für große Unternehmen, die Bargeld häufig nur kurzfristig anlegen und sichergehen wollten, dass es nach einigen Monaten zuverlässig zur Verfügung stehe.

mit Reuters FTD

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