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NEUBEGINN: Argentinien plant Ende der freien Marktwirtschaft

Der Peronist Eduardo Duhalde wurde als fünfter Präsident in zwei Wochen vereidigt. Er will ein neues Wirtschaftsmodell errichten und so neuen Arbeitplätze schaffen.

Nach dem Zusammenbruch der Staatsfinanzen in Argentinien hat der neue Präsident Eduardo Duhalde eine Abkehr vom Modell der freien Marktwirtschaft angekündigt. Nach seiner Wahl im Parlament von Buenos Aires versprach der peronistische Politiker die Schaffung von einer Million neuen Arbeitplätzen, ein soziales Netz für die Arbeitslosen und Garantien für die privaten Spareinlagen.

Doch noch Präsident

Duhalde wurde am Dienstag mit einer Mehrheit von 262 zu 21 Stimmen gewählt. 18 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Der ehemalige Gouverneur der Provinz Buenos Aires ist der fünfte Präsident in zwei Wochen, wenn man die beiden kommissarischen Staatschefs Ramon Puerta und Eduardo Camano mitzählt. Duhalde war zwei Mal Gouverneur der Provinz Buenos Aires, wo jeder vierte der 36 Millionen Argentinier lebt. 1999 trat er bei der Präsidentschaftswahl an, unterlag aber De la Rua.

»Argentinien ist am Ende«

»Dies ist der Augenblick der Wahrheit: Argentinien ist am Ende«, sagte Duhalde. Schuld ist die Politik der vergangenen Jahre, »die unsere Mittelklasse und unsere Industrie zerstört und unsere Arbeitskraft aufgerieben hat«. Außerdem versprach er, nach den gewaltsamen Protesten der vergangenen Wochen wieder Ruhe einkehren zu lassen. »Wir werden ein neues Wirtschaftsmodell errichten, das Arbeitsplätze für Argentinier schaffen, die Erholung der Wirtschaftsproduktion ermöglichen und unsere heimischen Märkte wiederherstellen wird«, sagte Duhalde.

Amtszeit bis 2003

Der 60 Jahre alte erfahrene Politiker soll bis 10. Dezember 2003 regieren - bis zum Ende der regulären Amtszeit von Präsident Fernando De la Rua, der unter dem Druck anhaltender Unruhen am 20. Dezember zurückgetreten war. Der kurz vor Silvester zurückgetretene Adolfo Rodriguez Saa hätte nur bis zu einer Neuwahl Anfang März regieren sollen.

Demonstrationen gegen Peronisten

»Hoch lebe Argentinien! Hoch lebe Peron!« riefen mehrere hundert Anhänger der Peronisten nach der Wahl Duhaldes. Gleichzeitig gingen aber auch mehr als 4.000 Menschen in Buenos Aires auf die Straße und forderten sofortige Neuwahlen. Zum Ausdruck ihres Protests schlugen sie wieder auf Töpfe und Pfannen. Bei Zusammenstößen zwischen Peronisten und Linksextremisten wurden mindestens zwei Menschen verletzt. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein, um die rivalisierenden Gruppen zu trennen.