PORTRÄT Populist und »Freund der Armen«


Mit einer Abkehr von der freien Marktwirtschaft will der neue argentinische Präsident sein Land aus dem Finanzchaos führen. Duhalde gilt als Populist, der sich gerne als »Freund der Armen« sieht.

Schon mit seiner Wahl hat Eduardo Duhalde einen Rekord aufgestellt. Der 60-jährige Peronist ist der fünfte Präsident Argentiniens in zwölf Tagen. Seine Ernennung durch das Parlament dürfte er zudem wie eine Revanche genossen haben. 1999 war er als Präsidentschaftskandidat an just dem Mann gescheitert, dessen Rücktritt er nun das Amt verdankt: Fernando de la Rúa. Es war die erste Wahlniederlage des ansonsten erfolgsverwöhnten Senators und Ex-Provinzgouverneurs. Duhalde weiß, dass die Politiker seines Landes in den Augen der Bevölkerung Versager sind. »Argentinien hat eine Scheißführung, zu der ich mich auch zähle«, sagte er im Oktober.

»Freund der Armen«

Duhalde gilt als Populist, der sich in der Tradition der Peronisten gerne als »Freund der Armen« gibt. Als Gouverneur von Buenos Aires (1991-1999), der bevölkerungsreichsten Provinz des Landes, ließ er Essen an die Bedürftigen verteilen und weihte immer wieder Brücken, Straßen oder Krankenhäuser ein - stets begleitet von Fernsehkameras. Als er sein Amt aufgab, um bei den Präsidentenwahlen zu kandidieren, stand die Provinz am Rande des Bankrotts. Die rechte Hand Duhaldes ist Ehefrau Hilda Beatriz, genannt »Chiche«, die selbst in der Politik tätig ist. Spötter meinen, sie versuche mit ihrem Engagement für die Armen ein Abbild der legendären Evita Perón zu sein.

In seiner eigenen Partei hat der studierte Anwalt nicht nur Freunde. Zwar war Duhalde unter Staatschef Carlos Menem (1989-1999) zwei Jahre lang Vizepräsident. Doch ein interner Machtkampf bei der peronistischen Gerechtigkeitspartei (PJ) und Duhaldes Kritik am neoliberalen Kurs seines einstigen Mentors entzweiten die beiden. Heute sind sie Erzfeinde, die kein Wort miteinander wechseln. »Ich war nie ein Menem-Anhänger, ich bin ein biologischer Peronist«, sagt Duhalde, der in Argentinien »El cabezón« (Der Großköpfige) genannt wird. Nach der Niederlage bei den Präsidentenwahlen - als Vize hatte er Ex-Schnulzensänger Ramón »Palito« Ortega aufgestellt - galt seine politische Karriere bereits als beendet. Doch im Oktober vergangenen Jahres wurde er mit überwältigender Mehrheit zum Senator gewählt.

In Drogenschmuggel und Geldwäsche verwickelt?

Duhalde, Vater von fünf Kindern und gläubiger Katholik, werden auch schmutzige Geschäfte nachgesagt. In einer kürzlich erschienenen, nicht autorisierten Biografie heißt es, er sei vor Jahren in Drogenschmuggel und Geldwäsche verwickelt gewesen. Unter Tränen trat die gesamte Familie vor die Kameras, um die Vorwürfe zurückzuweisen - und um eine Klage gegen den Verlag anzukündigen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker