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Neuer Bahnchef Grube: "Ich weiß, wie Arbeitnehmer ticken"

Andere Prioritäten als sein Vorgänger Hartmut Mehdorn setzt der neue Bahnchef Rüdiger Grube. Die Bahn an die Börse zu bringen ist ihm nicht so wichtig, wie den Datenskandal an seinen Mitarbeitern aufzuklären. Am 1. Mai tritt Grube sein Amt an. Mit dem stern sprach er jetzt erstmals über die wichtigsten Themen im neuen Job.

Der neue Bahnchef Rüdiger Grube grenzt sich klar von seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn ab. So steht der von Mehdorn energisch verfolgte Börsengang für seinen Nachfolger weit hinten auf der Agenda: "Vielleicht, wenn die Finanzkrise vorbei ist", sagte Grube in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern.

Im Gespräch mit dem stern äußert sich der Manager erstmals seit seiner Berufung an die Bahnspitze zu den wichtigsten Themen. Am 1. Mai tritt Grube sein neues Amt an, an diesem Freitag wird er vom Aufsichtsrat des Staatskonzerns offiziell bestellt.

Wichtiger als der Börsengang ist Grube die aktuelle Datenaffäre. "Die muss bedingungslos aufgeklärt werden", forderte er im stern. Das habe er auch den Gewerkschaftern zugesagt. "Vorstand zu sein ist eine geliehene Macht und mit dieser Macht muss man behutsam - sprich vorsichtig - umgehen." Sein Vorgänger war häufiger mit seinem Führungsstil und seinen Äußerungen in der Öffentlichkeit angeeckt und musste letztlich wegen der vom stern aufgedeckten Bespitzelung der Mitarbeiter gehen. "Ich weiß, wie Arbeitnehmer ticken", sagt Grube, der selber aus eher kleinen Verhältnissen von einem Obstbauernhof an der Süderelbe vor den Toren Hamburgs stammt. Der neue Bahnchef verspricht: "Mit der Haltung, ich sei etwas Besseres, werden sie mich bei der Bahn nie ertappen."

Im stern berichtet er aus seiner Zeit als Auszubildender im Flugzeugbau und als beamteter Lehrer an einer Berufsschule, der sogar kurzzeitig mal für die SPD Wahlkampf gemacht hat und aus einer traditionell sozialdemokratischen Familie stammt. Grube sagt aber auch: "Ich bin und war nie in einer Partei."

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