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Neuer Service "Post Persönlich" Der Briefträger soll sich um die Oma kümmern


Im Ruhrgebiet startet die Post ein ganz besonderes Pilotprojekt. Postboten sollen täglich bei Senioren klingeln und nach dem Rechten sehen. Der Service ist ab sofort buchbar.
Von Daniel Bakir

Man sieht sie schon vor sich diese herzerwärmenden Szenen an den Haustüren von Gelsenkirchen und Mülheim: "Guten Tag, Frau Seniorin Müller, wie geht es Ihnen denn heute? Alles im Lot, auf'm Boot? Hier ist übrigens Ihre Post." "Danke der Nachfrage, Herr Postbote Meier. Mir geht es heute blendend. Wollen Sie vielleicht kurz auf ein Likörchen reinkommen? Nein? Dann schönen Tag noch und bis morgen dann."

So könnte es ablaufen, wenn die Deutsche Post kommende Woche ihren Dienst "Post Persönlich" startet, ein Pilotprojekt in den beiden Ruhrgebietsstädten Gelsenkirchen und Mülheim. Dort sollen die Briefträger ab 1. Juli an den Haustüren von Senioren klingeln und diese nach ihrem Wohlbefinden fragen. Sollte es dem Kunden nicht so gut gehen oder dieser nicht die Tür öffnen, informiert der Postbote den Dienst der Johanniter, der wiederum einen Angehörigen kontaktiert. Das Angebot ist für ältere Menschen gedacht, die alleine wohnen und bei denen nicht täglich jemand nach dem Rechten sieht.

So viel kostet der Service

Der Postbote als Hausnotruf und Kümmerer - das macht die Post natürlich nicht aus reiner Menschlichkeit. Sie will mit dem Sozialservice Geld verdienen. 37,50 Euro im Monat kostet es, wenn der Postbote von Dienstag bis Freitag täglich klingeln soll. Wer noch den Samstag dazu bucht, zahlt 42,50 Euro. Buchen können den neuen Service ab sofort Interessenten oder ihre Angehörigen auf der Homepage der Deutschen Post. "Erste Interessenten gibt es schon. Wir gucken jetzt erstmal, wie das anläuft", sagt ein Postsprecher. Je nach Nachfrage werde man den Postboten dann zusätzliche Zeit für ihre Runde einräumen. Die Gewerkschaft DPVKOM hat bereits Bedenken geäußert, dass die ohnehin knappen Zeitvorgaben für die Zusteller sich nochmals verschärfen könnten. Schließlich rennt nicht jeder ältere Mensch innerhalb von 30 Sekunden zur Haustür.

Man darf gespannt sein, wie der Dienst angenommen wird. Echte Hausnotrufsysteme sind in der Regel günstiger und helfen rund um die Uhr. Der Postservice wird auch nicht von der Krankenkasse übernommen. Aber vielleicht lockt manchen allein die Aussicht, dass wenigstens einmal am Tag jemand an der Tür klingelt und sich nett nach einem erkundigt.


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