Nokia Keine Jobangebote für Rumänien


Der finnische Handy-Konzern hat Berichte dementiert, er habe den Beschäftigten in Bochum einen Wechsel nach Rumänien angeboten. Es sei unwahrscheinlich, dass es dafür Interesse geben könnte.

Nokia-Chef Oli-Pekka Kallasvuo will in der nächsten Woche nach Deutschland kommen, um über die geplante Schließung des Werks in Bochum zu verhandeln. Das kündigte Unternehmenssprecherin Arja Suominen am Freitag in Helsinki an. Geplant sei unter anderem ein Treffen mit der nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerin Christa Thoben. Für den Nokia-Chef geht es nicht zuletzt darum, das Image des Konzerns auf seinem drittwichtigsten Markt zu retten. Denn angesichts der drohenden Schließung des Nokia-Werkes wollen offenbar inzwischen immer mehr Bundesbürger ihr Einkaufsverhalten überdenken.

Mehrheit der Deutschen will Nokia boykottieren

In einer Umfrage im Auftrag der ARD gaben 67 Prozent der Befragten an, sie wollten künftig nur in Deutschland produzierte Waren kaufen. Für 30 Prozent spielt das Herkunftsland der Produkte dagegen nach wie vor keine besondere Rolle. Die Mehrheit sei sogar bereit für in Deutschland hergestellte Produkte etwas mehr Geld zu zahlen, berichtete der Sender. Elf Prozent der Befragten würden deutlich mehr Geld ausgeben, 70 Prozent wären bereit, etwas mehr Geld auszugeben, 16 Prozent würden nicht mehr zahlen. Befragt wurden 1000 Bundesbürger. Der stern hatte in einer Umfrage die Bürger direkt auf einen Nokia-Boykott angesprochen. Auf die Frage, ob sie wegen der geplanten Werkschließung künftig vom Kauf eines Nokia-Handys absehen würden, antworteten 56 Prozent der Bürger mit "Ja". Für 34 Prozent hat die Werkschließung keinen Einfluss auf ihre Entscheidung beim nächsten Handy-Kauf.

Allerdings ist noch offen, wie ernst es den Befragten wirklich damit ist. Bei großen deutschen Mobilfunkanbietern hieß es, von einem Nokia-Boykott sei bisher nichts zu spüren. "Natürlich kommt der eine oder andere ins Geschäft und will ausdrücklich kein Nokia-Handy. Aber das ist keine Massenbewegung. Es wird viel darüber geredet, aber praktisch passiert nicht viel", fasste ein Branchenkenner die Lage zusammen.

Doch keine Ersatzarbeitsplätze in Rumänien

Unterdessen sorgten in Bochum Berichte für Aufregung, Nokia wolle den Bochumer Beschäftigten Ersatzarbeitsplätze in Rumänien anbieten. "Wenn die Situation nicht so ernst wäre, würde ich sagen, das ist ein Witz", sagte Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach dem Sender n24. "Wie sollen unsere 2300 Leute nach Rumänien umsiedeln oder dort arbeiten? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen."

Nun hat Konzernsprecherin Suominen das Wort ergriffen und derartige Pläne bestritten. Nokia habe zwar grundsätzlich die Politik, dass sich jeder Mitarbeiter für alle offenen Stellen weltweit bewerben könne. Doch der Konzern sei sich der Tatsache bewusst, dass die meisten Leute es vorzögen, in ihrer Heimat zu bleiben, sagte Suominen. In Unternehmenskreisen hieß es noch deutlicher: Nokia sei sich darüber im Klaren, dass eine Versetzung der Beschäftigten von Bochum nach Rumänien angesichts der erheblichen Unterschiede zwischen den Ländern keine durchführbare Option sei.

kam/Reuters/DPA DPA Reuters

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