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Verbraucherschutz: Das lukrative Geschäft mit Test-Siegeln: Öko-Test klagt gegen schummelnde Firmen

Die Siegel der Stiftung Warentest, von Öko-Test und Co. sind für Verbraucher ein wichtiges Kaufargument. Das wissen auch die Firmen - und schmücken sich mit Auszeichnungen. Auch wenn sie die so gar nicht bekommen haben. 

Öko-Test zieht vor Gericht

Öko-Test zieht vor Gericht

Das britische Unternehmen Evematress hatte im Spätsommer 2016 einiges zu tun. Denn die Stiftung Warentest hatte sich Matratzen, die man im Internet kaufen kann vorgeknöpft. Und ausgerechnet bei "Eve" bemängelten die Tester einen Stoff in der Matratze, der zwar die Brandgefahr minimiert - aber leider im Verdacht steht, krebserzeugend zu sein. Also musste Evematress reagieren. Denn eine mangelhafte Bewertung der Stiftung ist für den Umsatz eine Katastrophe. Der gefährliche Stoff wurde verbannt, die Produktion nach Deutschland verlegt. Nichts sollte mehr von den Warentester beanstandet werden. Der Fall zeigt: Die Siegel haben Macht. 

Die Verbraucher vertrauen der Stiftung Warentest. In einer Befragung vor ein paar Jahren lag der Vertrauensanteil bei 82 Prozent, während Politik und Staat nicht im Ansatz auf solche Werte kommen. Kurz gesagt: Klebt ein "Testsieger"-Aufkleber auf Produkten, klingelt bei dem Hersteller die Kasse. Test-Siegel sind verkaufsfördernd - das wissen auch die Unternehmen. Und mitunter landen schummelt sich ein "Sehr gut" auf die Verpackung. Obwohl das Produkt gar nicht getestet wurde.

50 Jahre Stiftung Warentest: Die skurrilsten Tests aus einem halben Jahrhundert
Alkoholtester: 1986 lädt die Stiftung acht Mitarbeiter zum Suff im Dienst. Einer von ihnen soll über den alkoholseligen Test sogar die abendliche Verabredung mit der Frau vergessen haben. Das Gerät fiel übrigens durch.

Alkoholtester: 1986 lädt die Stiftung acht Mitarbeiter zum Suff im Dienst. Einer von ihnen soll über den alkoholseligen Test sogar die abendliche Verabredung mit der Frau vergessen haben. Das Gerät fiel übrigens durch.

Öko-Test klagt gegen Baur und Otto

Die Organisation Öko-Test hat wegen unlauterer Werbung gegen die beiden Versandhändler Baur und Otto geklagt. Die Händler würden sich des guten Rufes der Marke Öko-Test bedienen. Konkret hatte Otto eine blaue Babytrinkflasche und einen grünen Beißring mit dem Label der Ökotester beworben. Die allerdings hatten die Produkte in anderen Farben geprüft. Was nach Kleinigkeit klingt, ist für Verbraucherschützer ein relevantes Kriterium. Schließlich könnten die Farbstoffe anders zusammengesetzt sein. Für Produkte, auf denen Babys rumkauen und -nuckeln, ein entscheidender Punkt. Der Versandhändler Baur hatte ein Lattenrost in verschiedenen Ausführungen mit dem Hinweis auf Öko-Test beworben - dabei war nur eine der Größen und Ausführungen wirklich geprüft worden. "Wenn wir uns darauf einlassen, weiß der Verbraucher am Ende nicht mehr, was wirklich getestet wurde", so der Chefredakteur von Öko-Test, Chefredakteur Jürgen Stellpflug.

Der Streit um Siegel bekommt nun größere Dimensionen, denn der Bundesgerichtshof setzte das aktuell laufende Verfahren (Az: I ZR 173/16 und 174/16) aus und wartet eine Entscheidung vom Europäischen Gerichtshof ab. Stellpflug zeigte sich von dieser Entscheidung enttäuscht. Er hatte gehofft, dass der BGH mit einem Urteil dem "wachsenden Label-Missbrauch einen Riegel vorschiebt". Nun gebe es möglicherweise erst in zwei Jahren Rechtssicherheit.

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kg mit Agentur