HOME

Vor Opec-Treffen in Wien: Ölpreis sinkt auf Vier-Jahres-Tief

Der Preis für Erdöl sinkt weiter. Mit Blick auf die Konkurrenz kommt dies einigen Opec-Ländern durchaus gelegen. Für Russland wird der sinkende Ölpreis hingegen zunehmend zum Problem.

Golfstaaten wie Katar oder Saudi-Arabien werden die Forderungen anderer Opec-Mitglieder nach Kürzungen der Öl-Fördermengen wahrscheinlich abweisen

Golfstaaten wie Katar oder Saudi-Arabien werden die Forderungen anderer Opec-Mitglieder nach Kürzungen der Öl-Fördermengen wahrscheinlich abweisen

Vor dem Beginn des Opec-Treffens in Wien mehren sich die Hinweise, dass die Mitgliedsländer des Öl-Kartells ihre Fördermengen nicht kürzen werden. Für den Ölpreis ging es am Donnerstag daher erneut bergab. Das Nordseeöl Brent verlor in der Spitze 1,9 Prozent und kostete mit 76,28 Dollar je Fass so wenig wie seit mehr als vier Jahre nicht mehr. Der Preis für US-Öl der Sorte WTI lag mit 72,61 Dollar je Barrel ebenfalls auf einem Vier-Jahres-Tief.

Nach Insider-Informationen wollen die Opec-Mitgliedsländer trotz des rasanten Preisverfalls an ihren Fördermengen festhalten. Durch die schwindenden Aussichten auf ein baldiges Ende des Ölpreis-Verfalls fiel der Aktienindex RTS der Moskauer Börse am Donnerstag um 1,3 Prozent. Seit Juni sind die Ölpreise um gut ein Drittel gesunken.

Saudi-Arabien zufrieden mit

Mehrere Ölförderländer inner- und außerhalb der Opec sind dafür, die Förderung zu drosseln, um das Angebot zu verknappen und den Preis damit wieder in die Höhe zu treiben. Neben Russland sprachen sich auch Opec-Mitglieder wie Venezuela, Ecuador und der Iran bereits für eine Mengenbegrenzung aus. Denn mit dem sinkenden Ölpreis schmelzen auch ihre Staatseinnahmen zusammen.

Die Opec-Mitglieder aus den Golfstaaten, allen voran Saudi-Arabien, lehnten dies bislang strikt ab. Nach Ansicht von Analysten sieht Saudi-Arabien mit einer gewissen Zufriedenheit, wie die Fracking-Industrie - und sogar einige Opec-Länder - unter dem niedrigen Ölpreis ächzen. Laut dem saudischen Analysten Abdelwahab Abu-Dahesch ist das Land stark genug, um den niedrigen Ölpreis "zwei bis drei Jahre" lang durchzustehen. Erst kürzlich gewährte der Golfstaat seinen US-Kunden Preisnachlässe, was Beobachter als einen Versuch werteten, den Anteil auf dem umkämpften Ölmarkt zu verteidigen.

Denn die USA fördern mit der umstrittenen Fracking-Methode immer mehr Öl selbst, sodass sie weniger auf Importe angewiesen sind. In der Folge sinkt der Preis für Rohöl auch in Europa. Hinzu kommt, dass der vergleichsweise starke Dollar Öl für Abnehmer, die in anderen Währungen zahlen, teurer macht und so deren Nachfrage bremst. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Monaten die Prognosen für die Nachfrage nach unten korrigiert, weil das Wirtschaftswachstum in Regionen wie Europa und China schwächelt.

ono/Reuters / Reuters
Themen in diesem Artikel