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Otto Wolff von Amerongen: Der Wegbereiter des Osthandels wird 85

Er öffnete der deutschen Wirtschaft Türen in Osteuropa und gehörte lange zu den einflussreichsten Unternehmern Deutschlands.

Er öffnete der deutschen Wirtschaft Türen in Osteuropa und gehörte lange zu den einflussreichsten Unternehmern Deutschlands. Wenn Otto Wolff von Amerongen am 6. August 85 Jahre alt wird, kann er auf eine mehr als 60-jährige Karriere zurückblicken. Er profilierte sich als «Wegbereiter des Osthandels» weit über deutsche Landesgrenzen hinaus und war über Jahrzehnte hinweg in Politik und Wirtschaft ein besonders gefragter Berater.

Jobs mit Marathon-Charakter

Dabei hat der Sportbegeisterte mehrfach Marathon-Charakter gezeigt: Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) wurde er 1969 - und blieb es nahezu 20 Jahre lang. Die Geschicke des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft lenkte er fast ein halbes Jahrhundert lang, bis 2000. Für nahezu ein Vierteljahrhundert stand Wolff von Amerongen an der Spitze der Kölner IHK.

Heimlicher Osthandelsminister

Als DIHT-Präsident festigte er seine Position als Vorreiter im Osthandel und wurde geschätzter Gesprächspartner zwischen Moskau, Peking und Washington. In der Presse wurde Wolff von Amerongen gern als «heimlicher Osthandelsminister» betitelt, da er in den schwierigen Zeiten des Kalten Krieges Beziehungen zu den Regierungen des Ostblocks aufbaute. Ein Schwerpunkt des Industriellen galt den deutsch-russischen Beziehungen. Beim früheren Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow brachte ihm dies gar die Bezeichnung "ältester Pionier der Arbeitsbrigade Deutschland/Sowjetunion" ein.

Lebt jetzt weitgehend zurückgezogen

Doch kurz vor seinem 85. Geburtstag ist es still geworden um den Bundesverdienstkreuzträger. In den vergangenen Monaten habe er auf öffentliche Termine verzichtet, sagt Peter Danylow, Geschäftsführer der Otto-Wolff-Stiftung in Köln. Ein Grund dafür seien auch "ein paar gesundheitliche Instabilitäten". Aus seinen öffentlichen Ämtern habe er sich ebenfalls weitgehend zurückgezogen.

Weiter Alleinvorstand seiner Stiftung

Aber auch im hohen Alter bedeute ihm der Brückenbau zwischen Deutschland und Osteuropa viel, sagt Danylow. Derzeit konzentriere sich der gebürtige Kölner vor allem auf zwei Aktivitäten: "Als Alleinvorstand der Otto-Wolff-Stiftung liegt ihm nach wie vor das Thema Osteuropa am Herzen." Mit seiner Stiftung unterstützt er Projekte, die sich etwa mit dem Thema EU-Osterweiterung befassen oder auch mit Aus- und Fortbildung. Wolff von Amerongen ist zudem weiter als Geschäftsführer seiner Industrieberatung und Beteiligungen GmbH tätig. Er war in rund 40 Beiräten oder Aufsichtsräten - etwa bei der Deutschen Bank - vertreten sowie in vielen Verbänden und Instituten.

Es gab nicht nur Erfolge

1940 hatte der am 6. August 1918 geborene Wolff von Amerongen die bedeutende Eisengroßhandlung seines Vaters übernommen. Nach Kriegsende und Internierung erarbeitete er sich mit der Otto Wolff AG in den 60er Jahren in der Branche eine Vorreiterrolle beim Geschäft mit dem Osten. Dabei musste er aber auch herbe Rückschläge einstecken. Den Vorstandsvorsitz seines Unternehmens übertrug er 1986 seinem damaligen Schwiegersohn Arend Oetker. 1990 übernahm die Düsseldorfer Thyssen AG das Unternehmen. Dem Konkurrenzdruck unter den europäischen Stahlgesellschaften war die AG nicht gewachsen.

Kein Wirbel um den Geburtstag

Um seinen 85. Geburtstag will Wolff von Amerongen keinen großen Wirbel machen. "Er wird wohl im engsten Familienkreis in Österreich am Wolfgangsee feiern", sagt Danylow. Er unterhalte am Wolfgangsee und Köln Wohnsitze, aber auch in Texas und in der Provence. Wolff von Amerongen ist in zweiter Ehe mit Winnie verheiratet und hat drei Töchter.

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