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Permira: Heuschrecke frisst Fischstäbchen

Captain Iglo hat von nun an nicht mehr das Sagen in der Tiefkühltruhe. Der Unilever-Konzern verkauft die Kultmarke Iglo an den britischen Finanzinvestor Permira. Gibt es nun Fish and Chips statt goldener Fischstäbchen?

Der britische Finanzinvestor Permira übernimmt den Fischstäbchen-Hersteller Iglo. Der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever gab am Montag bekannt, dass Permira für 1,725 Milliarden Euro den Zuschlag für große Teile seiner Tiefkühlsparte bekommen habe. Das Paket umfasst das Geschäft der Marken Iglo oder Birds Eye in Deutschland und sieben weiteren europäischen Ländern.

Der Verkauf solle bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein, hieß es in der Mitteilung. In Italien werde Unilever selbst im Tiefkühlmarkt engagiert bleiben. Das Spanien-Geschäft hatte Unilever bereits vor zwei Monaten separat verkauft. Auch der Bereich Eiscreme - in Deutschland unter der Marke Langnese bekannt - ist nicht Teil des an Permira verkauften Pakets.

Unilever hatte seit Februar einen Käufer für seine Tiefkühlsparte gesucht, weil diese seit Jahren hinter den Zielvorgaben des Konzerns zurückgeblieben war. Im vergangenen Jahr sank der Umsatz des Geschäftsbereichs um 4,5 Prozent.

Herzlich willkommen Captian Iglo

Permira-Partner Cheryl Potter zeigte sich erfreut über den Kauf der „Kultmarken“ und kündigte an, sein Unternehmen werde sich für deren Wachstum einsetzen. „Der Lebensmittelmarkt sieht wenige Geschäfte dieser Größe, und es geht nur selten um Marken dieses Formats“, sagte er. Die britische Beteiligungsgesellschaft setzte sich einem Bericht der „Sunday Times“ zufolge unter anderem gegen das Angebot eines Konsortiums der Finanzinvestoren Blackstone und JP Morgan Partners mit dem irischen Lebensmittelkonzern Kerry Foods durch.

Der Verkauf brachte Unilever etwas mehr Geld ein als Branchenexperten erwartet hatten. Allerdings solle das Unternehmen die Einnahmen zur Senkung seiner Schulden nutzen oder sie an die Aktionäre ausschütten, anstatt sie für Zukäufe zu verwenden. Laut Paul Hofman vom Aktienhändler Van Lanschot sinken die Nettoschulden des Konzerns durch das Geschäft deutlich unter zehn Milliarden Euro. Möglich seien deshalb auch weitere Aktien-Rückkäufe. An der Amsterdamer Börse legte die Unilever-Aktie im frühen Handel 0,16 Prozent auf 18,40 Euro zu. Die Londoner Börse, an der das Papier ebenfalls gehandelt wird, war wegen eines Feiertags geschlossen.

Anfang des Monats hatte Unilever einen leichten Umsatzanstieg auf 3,9 Prozent im zweiten Quartal bekannt gegeben. Das Unternehmen versucht derzeit, mit höheren Verkäufen aus einer seit 2004 dauernden Krise zu kommen. Das Wachstum bleibt aber noch deutlich hinter den Zahlen der größeren Konkurrenten Procter & Gamble und Nestle zurück.

Reuters / Reuters