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Aus Protest Ben & Jerry's will sein Eis nicht mehr im Westjordanland und Ost-Jerusalem verkaufen

Eisbecher von Ben & Jerry's
Israels Regierungschef Naftali Bennett bezeichnete die Entscheidung als "anti-israelisch"
© Kevin Dietsch / Getty Images / AFP
Ben & Jerry's will ab Ende 2022 kein Eis mehr im Westjordanland verkaufen – das sei nicht mit den Unternehmenswerten vereinbar. Die Entscheidung stieß auf heftigen Gegenwind.

Der US-amerikanische Speiseeishersteller Ben & Jerry's will seine Produkte zukünftig aus Protest gegen die israelische Politik nicht mehr im Westjordanland und in Ostjerusalem verkaufen. Der Vertrieb in der Region sei mit den Unternehmenswerten "unvereinbar", hieß es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung. Ben & Jerry's war bereits zuvor immer wieder durch politisch motivierte Entscheidungen aufgefallen.

Mehrere Eissorten nebeneinander

Keine Verlängerung mit Lizenznehmer

"Wir glauben, dass der Verkauf von Ben & Jerry's Eiscreme in den besetzten palästinensischen Gebieten mit unseren Werten unvereinbar ist", heißt es in einer knappen Mitteilung auf der Unternehmenswebsite. Den Beschluss teilte der Eisproduzent auch in den sozialen Netzen mit.

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Der bekannte Speiseeishersteller mit Sitz im US-Bundesstaat Vermont wolle die langjährige Zusammenarbeit mit seinem israelischen Lizenznehmer nicht weiter verlängern. Dementsprechend gilt der Verkaufsstopp nicht ab sofort: Der Vertrag mit dem lokalen Partner laufe erst Ende nächsten Jahres aus.  

Der Lieferant sprach laut der "New York Times" jedoch davon, weiterhin "in ganz Israel" verkaufen zu wollen. "Lassen Sie nicht zu, dass Israel boykottiert wird", soll der Lizenznehmer an die Regierung und die Verbraucher appelliert haben. Ohnehin wolle Ben & Jerry's weiter im Land bleiben – jedoch nicht mehr in den umstrittenen Gebieten.

Heftige Gegenreaktionen aus der Politik

Die Entscheidung des zu Unilever zugehörigen Unternehmens sorgte für heftige Reaktionen. "Jetzt wissen wir Israelis, welche Eiscreme wir NICHT kaufen sollten", twitterte Israels Ex-Ministerpräsident und Oppositionsführer Benjamin Netanjahu.

Der derzeitige Regierungschef, Naftali Bennett, bezeichnete Ben & Jerry's Entscheidung der "New York Times" zufolge als "moralisch falsch". Der Eishersteller habe sich dazu entschlossen, "sich selbst als anti-israelische Eiscreme zu brandmarken", habe er weiter gesagt.

Mutterkonzern Unilever, zu dem Ben & Jerry's seit dem Jahr 2000 gehört, erkenne die Entscheidung des Unternehmens zwar an, betonte in einer Erklärung aber, an der eigenen Präsenz in ganz Israel festhalten zu wollen.

Das palästinensische Nationalkomitee "BDS" (Boycott, Divestment and Sanctions) begrüßte den Beschluss des Speiseeisherstellers via Twitter, forderte Ben & Jerry's jedoch auf, "alle Aktivitäten in Apartheid-Israel zu beenden".

Politische Statements als Tradition

Es ist nicht die erste politisch motivierte Entscheidung des Unternehmens. Noch im August vergangenen Jahres war Ben & Jerry's mit der britischen Regierung aneinandergeraten. In mehreren Tweets hatte der Eisproduzent damals die Migrationspolitik im Vereinigten Königreich kritisiert. 2018 brachte das Unternehmen in den USA mit "Pecan Resist" eine Eissorte auf den Markt, die als Zeichen gegen Donald Trumps "regressive Agenda" verstanden werden sollte.

Quellen: "New York Times"; Erklärung Ben & Jerry's; Twitteraccount Benjamin Netanjahu; Twitteraccount "BDS"; Erklärung Unilever

yks

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