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Hoffnung auf Nahost-Entspannung Israel verkauft Rekordmenge an Wasser nach Jordanien – und geht auf Palästinenser zu

Naftali Bennett, rechts, spricht in ein Mikrofon. Links auf dem Foto ist Außenminister Jair Lapid.
Israels Premier Naftali Bennett (r.) und sein Stellvertreter, Außenminister Jair Lapid. Die neue Regierung in Jerusalem belebt die zuletzt angespannten Beziehungen zu Jordanien neu
© Emmanuel Dunand/ / Picture Alliance
Israel und Jordanien kommen sich mit einem spektakulären Wasser-Deal überraschend wieder näher. Jetzt könnte sogar der Friedensprozess mit den Palästinensern in Schwung kommen.

Die neue Regierung in Israel gilt als schwieriges Konstrukt, fußt sie doch auf einer Acht-Parteien-Koalition sehr unterschiedlicher politischer Richtungen. Doch schon drei Wochen nach ihrem Amtsantritt können Ministerpräsident Naftali Bennett und sein Außenminister Jair Lapid einen beachtlichen Verhandlungserfolg vorweisen, der sich sogar positiv auf die feindseligen israelisch-palästinensischen Beziehungen auswirken könnte.

Am Donnerstag gaben Israel und Jordanien eine Einigung über die Lieferung von Wasser bekannt: Der jüdische Staat verpflichtet sich darin, dem Königreich eine Rekordmenge von 50 Millionen Kubikmeter Wasser zu liefern. Diese Nachricht dürfte in der arabischen Welt Aufmerksamkeit erregen, der in Doha in Katar beheimatete Sender Al Jazeera berichtet beispielsweise recht ausführlich über den Deal – auch, weil im Zuge der Verhandlungen zudem noch eine Exportvereinbarung für das von Israel besetzte Westjordanland geschlossen wurde.

Das Königreich Jordanien gilt mit seinen zehn Millionen Einwohnern als eines der wasserärmsten Länder der Welt. Israel ist zwar auch nicht gerade reich an Niederschlag und Süßwasser – aber die Israelis sind führend in der Technologie der Meerwasser-Entsalzung. Für die Verhandlungen hatten sich Lapid und sein jordanischer Amtskollege Aiman Safadi getroffen.

Israel braucht Jordanien als stabilen Partner

Jordanien gilt traditionell als Anker der Stabilität in der Region und ist ein Verbündeter der USA. Das Land ist zudem eng mit dem Schicksal der Palästinenser verwoben: Mehr als zwei Millionen Menschen In Jordanien sind palästinensische Flüchtlinge oder stammen von diesen ab.

Seit 1994 gibt es einen Friedensvertrag zwischen Jordanien und Israel. Die Kooperation bei den Wasser-Ressourcen spielte von Anfang an eine wichtige Rolle. Bislang habe Israel im Rahmen dieses Friedensabkommens jährlich 30 Millionen Kubikmeter Wasser an Jordanien geliefert, berichtet Al Jazeera und beruft sich auf Informationen eines hohen jordanischen Beamten in Israel. Bei dem Treffen der beiden Außenminister, das in Jordanien kurz hinter der Grenze stattfand, nannte Lapid Jordanien einen "wichtigen Partner" für Israel. Jerusalem wolle die Beziehungen zu Amman wieder stärken, sagte Lapid und fügte hinzu: "Wir wollen die wirtschaftliche Zusammenarbeit zum Wohle unserer beiden Länder erweitern".

Verbesserte Beziehungen der beiden Länder wären ein Fortschritt in der Region und könnten auch den israelisch-palästinensischen Friedensprozess wieder in Gang bringen. Der jüngste blutige Gaza-Israel-Konflikt im Mai und die von Gewalt begleiteten Proteste von Palästinensern in Israel sind in der ganzen Region noch frisch in Erinnerung. Unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatten sich die Beziehungen zu Jordanien verschlechtert. Auch mit dem früheren amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der als wichtiger Verbündeter Netanjahus galt, hatte Amman Meinungsverschiedenheiten über die Gebietssaufteilung in der politisch fragilen Region.

US-Präsident Joe Biden empfängt demnächst die jordanische Königsfamilie

Nun aber haben auch die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten. Der Demokrat Joe Biden wird in gut eineinhalb Wochen Jordaniens König Abdullah II., Königin Rania und Kronprinz Hussein im Weißen Haus empfangen. Der Besuch in Washington am 19. Juli solle "die führende Rolle Jordaniens bei der Förderung von Frieden und Stabilität in der Region demonstrieren", wie das Weiße Haus in dieser Woche mitteilte.

Für Entspannung und ein bisschen Optimismus dürfte auch eine Vereinbarung über den Handel zwischen Jordanien und dem Westjordanland sorgen. Denn im Zuge der Wasservereinbarung erzielten beide Seiten auch eine Export-Einigung: Jordanien wird seine Obergrenze für potenzielle Exporte in das Westjordanland von etwa 160 Millionen Dollar auf 700 Millionen Dollar pro Jahr anheben, heißt es darin.

Bei den Gesprächen sei es zudem über einen Weg hin zu einem "gerechten und umfassenden Frieden" zwischen Israel und den Palästinensern gegangen, wie ein jordanischer Gesandter zu Al Jazeera sagte.

Beide Seiten müssten jetzt noch die Details der Vereinbarungen festlegen, dazu werde es auch Gespräche zwischen Vertretern Israels, Jordaniens und der Palästinenser geben.

Quellen: Al Jazeera, "Der Spiegel”, AFP, dpa


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