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Pharmaskandal: Polizei durchsucht Ratiopharm-Zentrale

Ein Jahr nach der stern-Enthüllung über Geldzahlungen an Ärzte durch Ratiopharm hat es eine Razzia in dem Pharmaunternehmen gegeben - eine überraschende Wendung des Falls.

Am Vormittag machten sich drei Staatsanwälte und 32 Kriminalbeamte der Landespolizeidirektion Tübingen auf, um die Firmenzentrale sowie acht Privatwohnungen von Verantwortlichen der Firma Ratiopharm zu durchsuchen. Ziel war nach Angaben der Staatsanwaltschaft das Auffinden von Unterlagen, die Aufschlüsse über die Vertriebsstruktur des Arzneimittelhestellers geben. Gegen 16.30 Uhr heute Nachmittag war die Durchsuchung am Firmensitz nach Angaben von Augenzeugen beendet. Die Staatsanwaltschaft schreibt: Es wurden diverse Unterlagen erhoben, die nun der Sichtung und Auswertung bedürfen. Mit einem baldigen Abschluss des Ermittlungsverfahrens ist nicht zu rechnen.

Von den acht verantwortlichen Ratiopharm-Mitarbeitern seien drei nicht mehr im Unternehmen. Rausgeflogen sind nach der Aufdeckung der zweifelhaften Geschäftspraktiken der Vorstandschef Claudio Albrecht, Finanzchef Peter Prock und Vertriebschefin Dagmar Siebert. Die Ratiopharm-Verantwortlichen stehen im Verdacht, wie die Ulmer Staatsanwaltschaft mitteilt, in strafbarer Weise Medikamente vertrieben zu haben. Bei ihnen wird Anstiftung und Beihilfe zum Betrug vermutet. So sollen sie Ärzte angestiftet haben, zum Nachteil der Krankenkassen zu handeln. Dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Ulm ein Jahr nach Bekanntwerden der Vertriebspraxis nun doch noch mal an Fahrt gewinnen, überrascht. Schließlich musste die gleiche Staatsanwaltschaft erst von der Stuttgarter Generalstaatsanwaltschaft zum Jagen getragen werden, nachdem die Ulmer Kollegen zunächst auf ihrem Standpunkt beharrten, die Vorgänge bei Ratiopharm seien doch gar nicht strafbar.