Milliarden-Übernahme Israelis schlucken Ratiopharm


Gut ein Jahr nach dem Selbstmord von Adolf Merckle wird seine Firma Ratiopharm verkauft. Der weltgrößte Generikahersteller Teva aus Israel schluckt den deutschen Rivalen und zahlt dafür 3,6 Milliarden Euro.

Das monatelange Verkaufsgerangel um den Arzneimittelhersteller Ratiopharm ist entschieden: Der weltgrößte Generikahersteller Teva Pharmaceuticals aus Israel kauft den Ulmer Konkurrenten. Teva zahle 3,625 Milliarden Euro, teilte der israelische Konzern am Donnerstag mit. Die Übernahme müsse aber noch von den zuständigen Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Teva geht allerdings von einem Abschluss bis zum Ende des Jahres aus.

Nach der Übernahme hätten beide Unternehmen zusammen einen Umsatz von 16,2 Milliarden Dollar. Damit wäre Teva die Nummer eins am europäischen Generikamarkt und würde weltweit rund 40.000 Mitarbeiter beschäftigen. Generika sind sogenannte Nachahmerpräparate, deren Patentschutz ausgelaufen ist. Teva erwartet durch die Übernahme in den nächsten drei Jahren Synergieeffekte von mindestens 300 Millionen Euro. Finanziert werde der Kauf unter anderem über Kreditlinien.

Den Bieterkampf verloren haben damit der isländische Konzern Actavis, der zur Finanzierung des Kaufs auf Unterstützung des größten Gläubigers, der Deutschen Bank, angewiesen war, sowie der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer.

Teva will den Ratiopharm-Standort Ulm nach früheren Aussagen von Teva-Chef Shlomo Yanai und Europa-Chef Gerard van Odijk zur "Drehscheibe des Europageschäfts" machen. Mit einem Umsatz von 13,9 Milliarden US-Dollar ist Teva unter die 15 größten Arzneimittelhersteller weltweit vorgerückt. Bis 2015 soll sich der weltweite Umsatz auf 31,2 Milliarden Dollar verdoppeln, in Europa auf 9,2 Milliarden fast verdreifachen. In Deutschland ist das Unternehmen bisher nur mit einem Marktanteil von deutlich unter fünf Prozent vertreten.

Entschuldung der Merckle-Gruppe kommt voran

Der Alleinerbe der Merckle-Gruppe, Ludwig Merckle, muss Ratiopharm verkaufen, um Bankschulden zu tilgen. Die Gruppe war wegen der Wirtschaftskrise und Spekulationen mit VW-Aktien in eine finanzielle Schieflage geraten. Den drohenden Zusammenbruch hatte sein Vater, Adolf Merckle, nicht verkraftet und im Januar 2009 Selbstmord begangen. Finanzkreisen zufolge dürfte ein Verkaufspreis von rund drei Milliarden Euro ausreichen, um die Gläubigerbanken der hoch verschuldeten Familie zufrieden zu stellen.

Bislang läuft die Entschuldung vor allem durch die Verringerung der Beteiligung am Baustoffhersteller HeidelbergCement besser als gedacht: Die Finanzverbindlichkeiten lagen zuletzt bei deutlich weniger als drei Milliarden Euro. Zum Höhepunkt der Finanzschwierigkeiten von VEM hatten sich Schulden von rund fünf Milliarden Euro angehäuft. Ratiopharm gilt als Filetstück der Gruppe und ist im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz des Kostendrucks im Gesundheitswesen von Gewinneinbrüchen verschont geblieben.

DPA/Reuters/AFP DPA Reuters

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