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Pläne für Abwicklungsgesellschaft: WestLB will sich selbst zerlegen

Die WestLB will faule Vermögenswerte in einem weitaus größeren Umfang auslagern als bislang bekannt. Jetzt ist von bis zu 100 Milliarden Euro die Rede. Zu diesem Zweck wird über die Gründung einer Abwicklungsgesellschaft beraten. Experten halten es für notwendig, problematische Wertpapiere auszugliedern, um die Landesbanken zu stabilisieren.

Von Meike Schreiber und Nina Luttmer

Die Düsseldorfer Landesbank plant, Wertpapiere und nichtstrategische Aktivitäten mit einem Volumen von 70 bis 100 Mrd. Euro in eine neu zu gründende, externe Abwicklungsgesellschaft abzugeben. Entsprechende Vorschläge unterbreitete der WestLB-Vorstand nach FTD-Informationen am vergangenen Mittwoch seinen Eigentümern - vor allem dem Land Nordrhein-Westfalen und den dortigen Sparkassen. Bislang war von einer Größenordnung von etwa 50 Mrd. Euro die Rede gewesen.

In Finanzkreisen wird es mittlerweile als notwendige Voraussetzung für eine Konsolidierung im Landesbankensektor angesehen, dass die Institute problembehaftete Wertpapiere, aber auch Randaktivitäten ohne strategische Bedeutung aus ihren Bilanzen auslagern. Nur wenn die Kernbank geschrumpft werde und einigermaßen gesund sei, könne es zu Fusionen unter den noch sieben eigenständigen Landesbanken kommen. Für den Steuerzahler macht es kaum einen Unterschied, ob die Landesbanken ihre Risiken inner- oder außerhalb der Bilanz führen: Am Ende haften sie ohnehin für die Probleme der staatlichen Institute.

Auch die Mitarbeiter wechseln

Die WestLB, die gemäß einer Forderung der EU-Kommission dringend einen neuen Mehrheitseigner braucht, könnte durch eine Auslagerung von Portfolios attraktiver für potenzielle Fusionspartner werden. Dazu zählen vor allem die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und die Deka. Mit dem Sparkassenfondsanbieter Deka laufen seit Monaten Verhandlungen. Die Frankfurter Bank ist vor allem an der Übernahme des Kapitalmarktgeschäfts der WestLB interessiert.

Die neue Zweckgesellschaft der WestLB soll nach Plänen des Bankvorstands neben problembehafteten Wertpapieren auch nichtstrategisches Kundengeschäft, etwa in Australien, übernehmen. Auch WestLB-Mitarbeiter würden in das neue Vehikel, das als eigene Bank mit Banklizenz agieren und nach dem Bilanzierungsstandard HGB bilanzieren würde, wechseln. Ziel sei es, das Portfolio der Gesellschaft binnen fünf Jahren abzuwickeln. Dies könnte etwa durch Verkäufe der Vermögenswerte geschehen. Aufsichtsrat berät im Februar

Teures Unterfangen

Die Auslagerung würde allerdings teuer werden: Die Gesellschaft bräuchte Eigenkapital in Milliardenhöhe und möglicherweise auch Garantien - das vermutlich von den Eignern der Bank kommen müsste. Historische Beispiele, etwa die Abwicklungsgesellschaften für schwedische Banken in den 90er-Jahren, belegen, dass die Vehikel Verluste machen. Nach FTD-Informationen wollen jedoch sowohl das Land Nordrhein-Westfalen als auch die Sparkassen die Pläne prüfen. Der WestLB-Vorstand will die Pläne Anfang Februar seinem Aufsichtsrat vorstellen.

Die Sparkassen hatten sich bislang gewehrt, weitere Garantien für die WestLB zu übernehmen. Sie und das Land NRW haften bereits mit bis zu 5 Mrd. Euro für ein ausgelagertes Wertpapierportfolio der WestLB von 23 Mrd. Euro. Viele Sparkassen, die selbst mit Abschreibungen im Eigenhandel zu kämpfen haben, sind jedoch an der Grenze ihrer finanziellen Belastungsfähigkeit angelangt.

FTD
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