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Verbot in Kalifornien Der Kampf um Plastiktüten entzweit Amerika


Es ist ein historischer Schritt: Kalifornien verbietet als erster US-Bundesstaat Einweg-Plastiktüten. Doch nicht jeder Bürger begreift das als Fortschritt. Der nationale Plastikkampf ist eröffnet.
Von Daniel Bakir

Wer schon mal in den USA einkaufen war, kennt das Prozedere im Supermarkt: Sämtliche Einkäufe werden an der Kasse in Einweg-Plastiktüten verpackt. Bei einem Familien-Großeinkauf nimmt man schnell ein Dutzend Tüten mit. Die Dinger sind so dünn, dass man sie kaum mehrfach benutzen kann, selbst wenn man wollte. Berge von Plastikmüll sind die Folge.

In Kalifornien ist damit nun Schluss. Als erster US-Bundesstaat verbietet der Sunshine State die Umweltsünde. Gouverneur Jerry Brown unterzeichnete am Dienstag ein Gesetz, das Einweg-Plastiktüten in Lebensmittelläden und Drogeriemärkten ab Juli 2015 verbietet. 2016 wird das Verbot auch auf kleinere Läden ausgedehnt. Ein großer Sieg für den Umweltschutz, schließlich sind die Amerikaner die größten Umweltverschmutzer der Erde.

Gemischte Reaktionen

Die Reaktionen der Bürger auf das Gesetz sind allerdings gemischt. Selbst im fortschrittlichen Kalifornien sehen viele Bürger nicht ein, dass sie auf ihre liebgewonnenen Plastiktüten verzichten sollen. Laut einer Online-Umfrage von "ABC 10News" findet eine Mehrheit der Bürger das neue Gesetz gar nicht gut.

"Das ist lächerlich. Es gibt viele andere Wege, wie man die Umwelt schützen kann", zitiert die Lokalzeitung Fresno Bee einen Passanten von der Straße. "Das können sie in der Nähe der Strände machen. Ich lebe nicht am Strand", meint eine Frau, die der grüne Gedanke ebenfalls noch nicht erfasst hat. Ein anderer Lokalsender interviewt Hundebesitzer, die sich beschweren, dass sie die Hinterlassenschaften ihrer Tiere künftig nicht mehr mit den Umsonst-Tüten einsammeln können.

Vor vier Jahren sah das Stimmungsbild noch anders aus

Im Vorfeld hatten vor allem die Hersteller von Plastiktüten Stimmung gegen das Gesetz gemacht. Jobs seien in Gefahr, hieß es von der Industrie. 2010 hatte die Lobby mit einer breiten Anti-Kampagne ein landesweites Verbot noch verhindert. Diesmal setzten sich die Befürworter von mehr Umweltschutz durch.

Mehrfach benutzbare Plastiktüten - wie sie auch in Deutschland üblich sind - bleiben erlaubt. Sie kosten künftig zehn Cent, genauso viel wie Papiertüten. "Dieses Gesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Gouverneur Brown. Es reduziere die Flut von Plastikmüll an den Stränden, in Naturparks und im Meer. "Wir sind die ersten, die diese Tüten verbieten, und wir werden nicht die letzten sein."

Ob der grüne Gedanke weitere US-Staaten erfassen wird, ist ungewiss. Kalifornien war, trotz der ewigen Nörgler, die lieber alles so lassen würden wie es war, bereits zuvor ein Vorreiter in den USA. In einigen Städten, darunter Los Angeles und San Francisco, waren die Einwegtüten schon länger verboten. Auch in Hawaii herrscht ein weitgehendes Plastikverbot. CNN spekuliert, die Kalifornier könnten mit ihrem neuen Gesetz einen "nationalen Krieg um Plastik-Tüten" auslösen.

Plastiktüte international auf dem Rückzug

In anderen Ländern ist die Wegschmeißtüte ebenfalls auf dem Rückzug. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kündigte in dieser Woche an, Frankreichs Hauptstadt wolle bei einem nationalen Plastikverbot vorangehen. Für 2016 ist ein Verbot für ganz Frankreich angedacht. In Irland ging der Verbrauch von Plastiktüten drastisch zurück, nachdem eine Steuer von 22 Cent pro Tüte eingeführt wurde.

Auch auf EU-Ebene gibt es Pläne zur Bekämpfung des Plastikmülls. Das Europa-Parlament möchte den Verbrauch von Einweg-Plastiktüten in der EU binnen fünf Jahren um 80 Prozent senken. Dem entsprechenden Gesetzentwurf müssen allerdings noch die Regierungen der 28 Mitgliedsstaaten zustimmen.

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