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PLEITE: Kirch: letzte Säule zusammengebrochen

Es ist vorbei: Auch die Dachgesellschaft der Kirch-Gruppe, die Taurus-Holding, sowie die KirchBeteiligung haben Insolvenz angemeldet.

Mit dem Insolvenzantrag der Dachgesellschaft TaurusHolding ist die KirchGruppe vollständig zusammengebrochen. Auch die Tochtergesellschaft KirchBeteiligungen stellte am Mittwoch nach Angaben des Münchner Amtsgerichts als letzte tragende Säule des einstigen Medienimperiums von Leo Kirch Insolvenzantrag. Die Commerzbank bekundete inzwischen offiziell Interesse an einem Einstieg bei der KirchMedia mit dem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 und dem Rechtehandel. Sie will die Gesellschaft im Falle einer Übernahme in eine Aktiengesellschaft umwandeln und an die Börse bringen.

Kirch hat seinen Einfluss verloren

Nach dem Insolvenzantrag der Dachgesellschaft hat Leo Kirch seinen Einfluss auf die von ihm gegründete Gruppe weitgehend verloren. Operativ haben die beiden neuen Pleiten nur wenig Auswirkungen. Die mehreren Dutzend Beschäftigten der TaurusHolding wurden in den vergangenen Wochen in andere Gesellschaften verlagert. Die KirchBeteiligungen, in der vor allem die 40-Prozent-Beteiligung Leo Kirchs am Springer-Verlag und die Formel 1-Mehrheit lagen, ist praktisch nicht operativ tätig. Die Formel Eins Beteiligungs GmbH habe bereits am Dienstag Insolvenzantrag gestellt, berichtete das Amtsgericht.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Formel 1- Gesellschaft und der KirchBeteiligungen wurde Anwalt Michael Jaffé bestellt, der diese Aufgabe bereits für die KirchMedia übernommen hat. Bei der KirchHolding ist der Münchner Anwalt Kurt Bruder vorläufiger Insolvenzverwalter.

Interesse an KirchMedia ungebrochen

Das Insolvenzverfahren für die KirchMedia wird laut Branchenkreisen Ende dieser Woche oder Anfang kommender Woche eröffnet. Mehr als 50 Finanzinvestoren und Medienunternehmen bekundeten ihr Interesse an einer Übernahme der KirchMedia oder von Teilen. Intensive Verhandlungen gibt es laut Branchenkreisen derzeit nur mit einem Konsortium aus WAZ-Gruppe, Commerzbank und dem Filmstudio Columbia.

Der Commerzbank-Vorstand gab am Dienstagabend grünes Licht für ein mögliches Angebot. »Für weitere Partner sind wir offen«, sagte ein Sprecher. Es hätten sich bereits Interessenten gemeldet. »Dies sind der Bauer Verlag, die Rewe-Gruppe und WCM.« Auf die jetzigen Gesprächspartner sei die Commerzbank somit nicht angewiesen, mehr als fünf Partner machten aber keinen Sinn. Sollte es bei der Dreier- Lösung bleiben, würden die Commerzbank und die WAZ je 40 Prozent halten und Columbia die restlichen 20 Prozent. »Auf Dauer soll unser Anteil aber auf 25 Prozent reduziert werden«, sagte der Commerzbank- Sprecher. Das Kirch-Kerngeschäft sei 1,8 bis 2,5 Milliarden Euro wert. Die Schulden der KirchMedia bezifferte er auf mehr als drei Milliarden Euro. Die Commerzbank gehört zu den größeren Gläubigern der KirchGruppe.