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Pleite von Drogeriekette Schlecker droht Zerschlagung


Die Drogeriekette Schlecker hat am Morgen die Planinsolvenz beantragt. Doch ein wichtiger Gläubiger macht seinen Vorbehalt dagegen geltend. Im Extremfall droht dem Unternehmen die Zerschlagung.
Von H. Hinze, B. Dengel, G. Hegmann

Die einst größte deutsche Drogeriekette Schlecker stolpert in ein Insolvenzverfahren mit völlig offenem Ausgang. Am Montagmorgen beantragte das Unternehmen die Planinsolvenz beim Amtsgericht Ulm. "Bei uns ist ein unterzeichnetes Fax eingegangen, im Laufe des Vormittags wird der Antrag im Original eingehen", sagte ein Sprecher des Gerichts. Bereits das Fax gelte aber als "vollwirksamer Antrag".

Beteiligte und Experten hatten am Wochenende vor einem möglichen Scheitern der geplanten Sanierung gewarnt. Einer der wichtigen Gläubiger - der Einkaufsverbund Markant - signalisierte dem zuständigen Gericht nach Informationen der "Financial Times Deutschland" schon seine Vorbehalte gegen ein sogenanntes Planverfahren in Eigenverwaltung. Danach könnten Gesellschafter und Management weiter über das Unternehmen bestimmen. Allerdings müssten die Gläubiger freiwillig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Eignerfamilie droht Kontrolle zu verlieren

Zwei führende deutsche Insolvenzverwalter äußerten sich skeptisch. "Die Gläubiger werden nur zum Verzicht bereit sein, wenn auch die Eignerfamilie einen erheblichen Beitrag leistet", sagte einer der beiden Juristen, die aus Wettbewerbsgründen anonym bleiben wollten. Selbst wenn die Gläubiger dem Planverfahren zustimmen, müsste Schlecker eine weitere Hürde nehmen: Das Gericht muss zusätzlich klären, ob es eine Eigenverwaltung durch die bisherigen Manager akzeptiert. Der eigentliche Insolvenzverwalter wäre dann als sogenannter Sachwalter der Gläubiger weitaus weniger mächtig.

Die Eignerfamilie Schlecker droht somit die Kontrolle über das Unternehmen zu verlieren - im Extremfall könnte es zerschlagen werden. Mit 7200 Filialen und einem Umsatz von schätzungsweise knapp sechs Milliarden. Euro im vergangenen Jahr war Schlecker zuletzt Nummer zwei im deutschen Drogeriemarkt hinter DM. Die Pleite ist nach der von Karstadt und Quelle alias Arcandor im Jahr 2009 der prominenteste Insolvenzfall im deutschen Handel.

Der Plan war bereits am Freitagmittag bekannt geworden und hatte Angestellte, Gewerkschaft und die meisten Lieferanten überrascht. Im Umfeld des Unternehmens hieß es, sogar hochrangige Schleckermanager seien über den Schritt zuvor nicht informiert worden. Viele Verkäuferinnen hatten durch Kunden davon erfahren, die Gewerkschaft Verdi nach eigenen Angaben aus den Medien.

Mit dem Insolvenzantrag gewinnt Schlecker Zeit

Seit den 70er-Jahren hatte Schlecker immer mehr kleine, abgelegene und billige Filialen eröffnet. Kundennähe war lange das Erfolgsrezept. Doch nach und nach eroberten auch Konkurrenten und Discounter die Fläche. Gleichzeitig stiegen die Ansprüche der Kunden. Die meist unwirtlich wirkenden Läden werden von Jahr zu Jahr schlechter besucht.

Für die Sanierung ist Schlecker auf Arbeitnehmervertreter ebenso wie Lieferanten und Vermieter angewiesen. Die Belegschaft war bereits Mitte Dezember gebeten worden, vorübergehend auf Gehalt zu verzichten, um das Unternehmen zu retten. Doch zu Verhandlungen kam es bislang nicht. Mit dem Insolvenzantrag gewinnt Schlecker hier zunächst Zeit: In den ersten drei Monaten nach Antragstellung zahlt der Staat die Gehälter der rund 30.000 Mitarbeiter. Gleichzeitig hebelt Schlecker mit dem Insolvenzantrag einen eigentlich noch bis Mitte des Jahres geltenden Beschäftigungssicherungspakt aus. Die Kette kann durch Filialschließungen überflüssig gewordene Kassiererinnen kündigen. Das kurzfristige Kündigungsrecht trifft auch die Vermieter von Filialen.

Als mögliche Insolvenzverwalter nannten Insider zwei Namen: Werner Schneider und Michael Pluta. Gläubiger Markant soll den Verwalter Ottmar Hermann vorgeschlagen haben.

FTD

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