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Post: Briefträger sollen länger arbeiten

Das riecht nach Ärger bei der Post: Vorstandschef Frank Appel hat angekündigt, die rund 80.000 Briefträger des Konzerns zu längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich zu verpflichten. Die Gewerkschaft Verdi stellt sich quer.

Post-Vorstandschef Frank Appel will die rund 80.000 Briefträger seines Konzerns deutlich länger arbeiten lassen - ohne Lohnausgleich. Andernfalls drohten Entlassungen, teilte Appel seinen Beschäftigten über die "Bild"-Zeitung mit. Gegenwärtig gilt eine 38,5-Stunden-Woche. Die Gewerkschaft Verdi wies die Forderung umgehend zurück.

Schon bei der Hauptversammlung des Konzerns vor zwei Wochen hatte Appel erklärt, der Briefsektor stehe durch die Wirtschaftskrise unter schwerem Druck. Nach seinen Angaben sank das operative Ergebnis (Ebit) im ersten Quartal um rund 27,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf knapp 400 Millionen Euro.

In der "Bild"-Zeitung erklärte Appel: "Unsere 80.000 Briefträger arbeiten schon heute sehr hart. Aber die Arbeitszeiten müssen verlängert werden. Jede Stunde Mehrarbeit bedeutet auch mehr Produktivität." Der Postchef fügte hinzu: "Ohne Mehrarbeit drohen künftig Entlassungen. Davor warne ich die Gewerkschafter, die längere Arbeitszeiten strikt ablehnen."

Appel kündigte an, er wolle "die Arbeitszeit in mehreren Schritten deutlich erhöhen". Auf eine genaue Zahl wolle er sich nicht festlegen. Einen Lohnausgleich könne es nicht geben.

Ein Post-Sprecher ergänzte, die Bemühungen um eine Senkung der Kosten beschränkten sich nicht auf den Bereich der Briefträger. "Alle Post-Bereiche gehören auf den Prüfstand", betonte er. Das Unternehmen sei "in schwerem Fahrwasser". Die Situation sei anders als zum Zeitpunkt des Abschlusses der letzten Tarifvereinbarungen.

Verdi-Sprecher Jan Jurczyk dagegen erklärte, die Gewerkschaft sehe keine Veranlassung, auf die Wünsche der Post einzugehen, zumal eine Aufforderung über die Presse nicht dem Stil zwischen Tarifparteien entspreche. Jurczyk wies darauf hin, dass der Gehaltstarifvertrag noch bis 30. Juni 2010 gelte, der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sogar bis Mitte 2011. "Wir betrachten das sehr gelassen", meinte er.

AP / AP