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Preisrutsch: Ölpreis fällt unter 50 Dollar

Der Preis für Rohöl schmiert ab und ist erstmals seit 2005 unter die magische 50-Dollar-Marke gefallen. Neben den schlechten Konjunkturdaten ist ein Grund für den Preisrutsch, dass Spekulanten auf fallende Preise wetten. Schlechte Nachrichten kamen außerdem von den Geologen, die die Erdölreserven erforschen.

Die Ölpreise haben ihre Talfahrt am Donnerstag fortgesetzt und sind zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren unter die Marke von 50 Dollar gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Dezember-Auslieferung fiel im Nachmittagshandel zeitweise auf 49,91 Dollar. Dies ist der niedrigste Stand seit Mai 2005. Zuletzt stieg der WTI-Preis wieder etwas und notierte bei 50,50 Dollar. Das waren 3,12 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag.

An der Rohstoffbörse in London gaben die Preise ebenfalls kräftig nach. Ein Fass der Nordseesorte Brent sank auf 48,20 Dollar. Auch hier wurde der niedrigste Preis seit Mai 2005 verzeichnet. Zuletzt kostete ein Barrel Brent mit 48,74 Dollar 2,98 Dollar weniger als am Vortag.

Wetten und Rezession schaden dem Preis

An den Ölmärkten wetten nach Einschätzung der DekaBank immer mehr Investoren auf fallende Preise. Eine derart ausgeprägte Mehrheit habe es zuletzt vor drei Jahren gegeben, sagte die Rohstoffexpertin Dora Borbély. Außerdem verstärke eine ganze Reihe von unerwartet schlechten Konjunkturdaten die Sorge vor einem weiteren Abrutschen der Weltwirtschaft und einem damit verbundenen Rückgang der Ölnachfrage, hieß es von Experten. Zuletzt gab es zudem immer neue alarmierende Nachrichten aus der Automobilindustrie. Die jüngsten Daten zu den US-Ölreserven werten Fachleute ebenfalls als Hinweis für den Rückgang der Nachfrage nach Rohöl. In der größten Volkswirtschaft der Welt waren die Lagerbestände an Rohöl und Benzin zuletzt gestiegen.

Vor dem Hintergrund der rasanten Talfahrt verdichten sich nunmehr die Hinweise auf eine neue Kürzung der Fördermenge durch die Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Der amtierende Opec-Präsident Chakib Khelil sagte zuletzt, dass die Mitgliedsstaaten des Kartells keine andere Wahl hätten, als weitere Fördermengenkürzungen umzusetzen. Nur so könne der Ölpreis künftig in der Spanne zwischen 70 und 90 Dollar pro Barrel gehalten werden. Für die Expertin Borbély ist daher eine offizielle Quotendrosselung bis Ende des Jahres um insgesamt zwei Millionen Barrel pro Tag "durchaus realistisch".

Unterdessen ist auch der Preis für Opec-Rohöl weiter gesunken. Ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells habe am Mittwoch 45,89 Dollar gekostet, teilte das Opec-Sekretariat in Wien mit. Das waren 0,66 Dollar weniger als am Dienstag. Die Opec berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten der Mitgliedsländer.

Sorge um Erdölreserven

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Erdölreserven stagnieren: Die weltweit förderbaren Reserven haben sich nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) im vergangenen Jahr erstmals nicht mehr erhöht. Trotz hoher Investitionen in Erkundung und Erschließung von Ölfeldern sind die weltweit förderbaren Reserven nach einer BGR-Studie im vergangenen Jahr mit 163 Milliarden Tonnen konstant geblieben. "Die Stagnation der wirtschaftlich förderbaren Reserven ist ein Novum", sagte BGR-Energieexperte Hilmar Rempel in Hannover.

Nach Angaben von Rempel hatte die BGR in der Vergangenheit in ihren jährlichen Studien zu "Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen" stets ein Wachstum der Erdölreserven konstatiert. Dieses Wachstum sei schon in den vergangenen Jahren vor allem auf neue Technologien zur besseren Ausbeutung von Erdölfeldern zurückzuführen gewesen, sagte Rempel. Große neue Felder habe man seit Jahren kaum noch entdeckt.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters