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ProSiebenSat.1: Springer trennt sich vom TV-Geschäft

Der Axel-Springer-Verlag trennt sich endgültig von seinen Anteilen am Münchner TV-Konzern ProSiebenSat.1. Das Paket von jeweils zwölf Prozent der Stamm- und Vorzugsaktien soll an die Mehrheitseigentümer KKR und Permira gehen.

Die Axel Springer AG ("Bild", "Die Welt") will ihren Anteil von zwölf Prozent am Medienkonzern ProSiebenSat.1 verkaufen. Mit der Investorengruppen KKR und Permira, die die Mehrheit am TV-Konzern haben, werde ein Vertrag über den Verkauf der Stamm- und Vorzugsaktien angestrebt, teilte die Axel Springer AG in Berlin mit. Damit zieht sich der Axel-Springer-Verlag endgültig bei ProSiebenSat.1 zurück. Das spült dem Verlag 509 Millionen Euro für seine weitere Expansion in die Kasse.

Mit einer Übernahme von ProSiebenSat.1 war Springer-Chef Mathias Döpfner am Widerstand des Kartellamts gescheitert. Deswegen erwarben vor einem Jahr KKR und Permira die Anteile des Ex-Eigentümers Haim Saban - für einen weit höheren Betrag als die 2,5 Milliarden Euro, die Springer seinerzeit geboten hatte. Der "Bild"-Verleger hatte sein Paket aber weiter gehalten und stets betont, sämtliche Optionen zu prüfen - auch eine Aufstockung. Nun verkauft der Verlag im Schnitt für 19,40 Euro je Stamm- und Vorzugsaktie. Erstere sind stimmberechtigt, letztere nicht.

Transaktion als Vertrauensbeweis

KKR bezeichnete die Transaktion als Vertrauensbeweis. "Wir fokussieren uns nach wie vor auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens", sagte ein KKR-Sprecher. Ähnlich äußerte sich Permira. Unter der Führung der beiden Investoren hatte ProSiebenSat.1 im Sommer für mehr als drei Milliarden Euro die Sendergruppe SBS geschluckt und damit Vorherrschaft des Rivalen RTL angegriffen. SBS, die ebenfalls schon zu Permira und KKR gehört hatte, ist vor allem in den Beneluxländern, Skandinavien und Osteuropa stark. Die Münchner sind in Deutschland mit ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 vertreten.

Springer hatte zuletzt zum Ausbau seines Internetgeschäfts unter anderem das Finanzportal Wallstreet:Online, den Online-Vermarkter Zanox und das Stadtportal Hamburg.de gekauft. Außerdem hatte der Verlagsriese die Mehrheit am Post-Konkurrenten Pin übernommen und wollte den Bereich eigentlich ausbauen. Wegen der geplanten Einführung eines Mindestlohns von knapp zehn Euro pro Stunde für Briefträger steht dieses Geschäft nun ebenfalls zur Disposition. PIN hat bereits angekündigt, jede zehnte der insgesamt 9000 Stellen zu streichen. PIN-Chef Günter Thiel will im Falle eines Ausstiegs des Hauptaktionärs Springer den Postdienstleister selbst übernehmen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters