Prozess-Auftakt Enron: Synonym für Wirtschaftsbetrug


Der Prozess um den Bankrott des einstigen Wirtschaftsgiganten Enron hat begonnen. Ohne Erfolg hatten die angeklagten Ex-Firmenchefs versucht, die Verhandlung an einen Ort außerhalb Houstons zu verlegen.

Der Prozess um den spektakulären Zusammenbruch des US-Energiehändlers Enron hat in Houston (Texas) mit der Auswahl der Jurymitglieder begonnen. In dem Verfahren sind die ehemaligen Firmenbosse Kenneth Lay (63) und Jeff Skilling (52) der Verschwörung, des Betrugs und Insiderhandels angeklagt. Sie sollen die prekäre Finanzlage der einst siebtgrößten US-Aktiengesellschaft verschleiert und damit Investoren betrogen haben. Ihnen drohen Haftstrafen von mehreren Jahrzehnten. Beide haben sich nicht schuldig bekannt.

Die Angeklagten hatten vergeblich beantragt, den Prozess an einen anderen Ort zu verlegen. In Houston seien keine unvoreingenommenen Geschworenen zu finden, da hier am Enron-Hauptsitz mehr als 4000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren hatten, so Lays und Skillings Anwälte.

Bankrotte und Betrügereien

Enron ist in den USA in den vergangenen Jahren zum Synonym für Wirtschaftsbetrug geworden. Der Bankrott war der Auftakt für eine Serie von Bilanzbetrügereien bei einigen der größten US-Firmen. Mehrere prominente Unternehmer wurden bereits zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und die Gesetze über Bilanzveröffentlichungen drastisch verschärft.

Enron, einst mit einem Börsenwert von 60 Milliarden Dollar, musste im Dezember 2001 nach massiven Bilanzmanipulationen Gläubigerschutz beantragen. Durch dubiose Rechnungslegung waren Millionen-Schulden in Partnerschaften versteckt worden, von denen einige Angestellte selbst mit Millionengewinnen profitierten. Enron soll unter anderem den Energiemarkt in Kalifornien so manipuliert haben, dass dort im Januar 2001 zeitweise der Strom abgeschaltet werden musste. Investoren verloren mehr als 40 Milliarden Dollar, Angestellte Pensionsansprüche im Umfang von 800 Millionen Dollar.

Kronzeugen bekannten sich schuldig

16 ehemalige Mitarbeiter haben sich bereits schuldig bekannt und wurden teilweise verurteilt. Die Bekanntesten sind Ex-Finanzchef Andrew Fastow, der als Kronzeuge gegen Lay und Skilling aussagen wird und im Gegenzug dafür nur zehn Jahre Haft bekam, und Chefbuchhalter Richard Causey.

Die Eröffnungsplädoyers sind für Dienstag geplant. Der Prozess ist auf etwa vier Monate angelegt.

DPA DPA

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