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Quartalszahlen: Absatzkrise trifft VW hart

Die Abwrackprämie hat lange die traurige Realität übertüncht, doch die neuen Quartalszahlen zeigen: Die Krise auf dem Automarkt hat Volkswagen voll erwischt. Absatz, Gewinn und Umsatz sinken - vor allem die Kernmarke ist das Sorgenkind.

Der Nettogewinn des Volkswagen-Konzerns ist bis Ende September um mehr als 82 Prozent auf nur noch 655 Millionen Euro eingebrochen. Auch das operative Ergebnis fiel noch schlechter aus als von Experten erwartet: Analysten hatten in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters einen Rückgang von rund 70 Prozent auf 415 Millionen Euro erwartet, tatsächlich lag das Ergebnis nur bei 285 Millionen. Der Umsatz fiel um fast zehn Prozent auf 77,2 Milliarden Euro. Die Aktie zog dennoch um fast vier Prozent an. Offenbar hatten die Börsianer insgeheim noch schlechtere Zahlen erwartet, zudem verfehlte der Nettogewinn die Erwartungen nicht so weit wie der operative.

Trotz Talfahrt rechnet der Vorstand damit, den kleinen Gewinn bis zum Jahresende retten zu können. "Während der Weltmarkt um zwölf Prozent sinkt, verzeichnen wir ein stabiles Auslieferungsniveau", sagte Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn am Donnerstag in Wolfsburg.

Seat schneidet am schwächsten ab

Der Absatz des Konzerns fiel um 4,9 Prozent auf 4,6 Millionen Fahrzeuge. Am schlimmsten erwischte der Einbruch die Hauptmarke VW: Das operative Ergebnis fiel um 1,6 Milliarden auf nur noch 355 Milliarden Euro. Angesichts der Absatzkrise musste VW großzügig Rabatte einräumen, die den Gewinn auffressen. Der Absatz der Kernmarke sank um zehn Prozent auf 2,5 Millionen Fahrzeuge.

Der Stern im VW-Konzern ist weiter Audi: Die Premiummarke erwirtschaftete bei einem Absatzrückgang um zwölf Prozent ein operatives Ergebnis von 1,2 Milliarden Euro nach 2,1 Milliarden im Vorjahr. Tochter Skoda verlor 19 Prozent Absatz und verdiente 162 Millionen Euro. Seat litt unter dem schwachen spanischen Pkw-Markt und schnitt am schwächsaten ab: Die Marke machte 228 Millionen Euro Verlust. Die Luxusmarke Bentley halbierte den Absatz und fuhr 148 Millionen Euro Verlust ein. VW-Nutzfahrzeuge erzielte ein Ergebnis von 390 Millionen Euro, worin aber ein Verkaufserlös von 600 Millionen Euro für das brasilianische Lkw-Geschäft enthalten ist. Die Finanzdienstleistungen steuerten 468 Millionen Euro Gewinn bei, deutlich weniger als im Vorjahr.

Es gab auch positive Zahlen in der Neunmonatsbilanz: Immerhin ist Volkswagen sehr flüssig. Die Netto-Liquidität des Konzerns stieg erneut. Sie lag Ende September bei 13,4 Milliarden Euro und damit um 5,4 Milliarden Euro höher als Ende 2008. Trotz Krise wurden die Sachinvestitionen im Automobilbereich um zwei Prozent auf 3,9 Milliarden Euro erhöht. Das Geld floss vor allem in neue Werke und in neue Modelle.

AP / AP