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Rasierer Kleine Klinge, großer Preis: Warum Rasierklingen so teuer sind

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Richtig gute Rasierklingen sind nicht immer ganz billig. Aber mit einem einfachen Trick bleiben sie deutlich länger scharf. Ziehen Sie einfach eine ganz normale Jeans an und reiben die Klinge, entgegen der Schnittrichtung, etwas 10 bis 15 Mal über den Stoff. So lösen sich kleine Unreinheiten und Splitter und die Klingen sind wieder wie neu.
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Rasierklingen kosten in der Herstellung nur wenige Cent, werden aber für viele Euros verkauft. Ein lohnendes Geschäft - vor allem für die zwei Marktführer. Das könnte sich bald ändern. Neue Akteure entern den Markt.

Ein dünner Plastikgriff und hauchdünne Klingen aus Metall: Rasierer sehen zwar heute futuristisch aus, haben hautschonende Pflegemittelstreifen und die Klingen stapeln sich, doch großartig verändert hat sich das Prinzip Rasierer nicht. Der Preis dagegen schon. Im handel zahlen Verbraucher hohe Summe für das bisschen Plastik und Metall. Zwar verdienen die Hersteller mit den Rasierern selbst kaum Geld - dafür gehen die Klingen schnell ins Geld. 

Nur zwei Hersteller dominieren den Markt. Gillette stellt Deutschlands Lieblingsrasierer her, fast jeder dritte Mann bevorzugt diesen Hersteller bei der Nassrasur. Dahinter folgt Wilkinson mit knapp 20 Prozent. Weltweit teilen sich die beiden Herstelelr sogar rund 90 Prozent des Marktes. Zwar nutzen die Deutschen auch andere Hersteller, doch der Markt, der laut der "Welt" auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt wird, teilt sich zwischen den beiden Schwergewichten der Branche auf.

Das hat Auswirkungen auf den Preis, denn die beiden Konzerne haben den Markt fast allein in der Hand. Und diktieren so auch die Preise. In der Herstellung kosten Rasierer nur rund acht Cent, so die "Daily Mail", doch verkauft werden die Klingen für rund drei Euro. Die Firmen machen dadurch satte Gewinne. Zumindest bislang.

Start-ups mischen den Markt auf

Den großen Herstellern könnten neue Akteure das Wasser abgraben, wie beispielsweise Mornin' Glory. Das Start-up verkauft Rasierklingen im Netz - und das zu deutlich günstigeren Preisen. Das Starterset bestehend aus vier Klingen mit jeweils fünf Rasierblättern samt dem Rasierer gibt es für 12 Euro. Die Kunden bekommen die Klingen versandkostenfrei nach Hause geliefert - und das regelmäßig in einem Abo-System. Vier Klingen kosten dann neun Euro. Der Kunde legt den Rhythmus der Lieferung selbst fest. Auch der Online-Handel Shave-Lab setzt auf regelmäßige Käufe, verlangt allerdings Versandgebühren. Dafür kann der Kunde in dem Shop seinen Rasierer konfigurieren. Griff, Klingen, Farbe - alles kann individuell eingestellt werden.

Drogerien verkaufen mehr Rasierer

Ob nun der Trend zum Vollbart oder der verstärkte Online-Handel: Die Verkaufszahlen von Rasierklingen im stationären Handel sinken. Wie das Marktfoschungsunternehmen Nielsen 2016 herausfand, sinken die Umsätze von Männer-Rasierern bei Discountern, Super- und Verbrauchermärkten. Lediglich die Drogerien konnten Zuwächse verzeichnen. Und das nicht ohne Grund.

Die Drogerieketten wie Rossmann und dm bieten ebenfalls günstige Rasierer. Diese produzieren die Händler nicht selbst, sondern lassen sich von internationalen Branchenriesen beliefern. So bezieht laut dem "Handelsblatt" Rossmann seine Rasierer von dem südkoreanischen Hersteller Dorco, der auch für Walmart, Walgreen's, Edeka oder für die Drogerie Müller produzieren lässt. Kunden zahlen für die No-Name-Eigenmarken nur die Hälfte im Vergleich zum Markenprodukt.

Gillette und Wilkinson betreiben Grundlagenforschung

Mit diesen Preisen setzt die Konkurrenz die großen Player unter Druck. Das liegt auch an den Entwicklungskosten, die die namhaften Hersteller für neue Innovationen ausgeben. "Eine Klinge ist heute ein Hightech-Produkt", sagt Heinz Dieter Becker, Geschäftsführer der thüringischen Rasierklingenfirma Feintechnik dem Wirtschaftsmagazin "Brandeins". "Die Hersteller betreiben Grundlagenforschung." Allerdings stecken die Herstelelr auch viel geld in Marketing- und Werbemaßnahmen, um ihre neuen Rasierermodelle zu verkaufen. Diese Ausgaben zahlen Kunden mit. 


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