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Zuckerreduzierte Produkte: Gesunder Schokopudding? Experten sehen Rewe-Aktion kritisch

Rewe will künftig weniger Zucker in seine Produkte packen und lässt die Kunden abstimmen, auf wie viel Zucker sie im Schokopudding verzichten wollen. Doch Ernährungsexperten sagen: Das reicht nicht. 

"Wieviel Zucker brauchst du noch?", fragt Rewe seine Kunden

"Wieviel Zucker brauchst du noch?", fragt Rewe seine Kunden

Für Bayern-Star Thomas Müller ist die Sache klar: Der Schokopudding mit 40 Prozent weniger Zucker schmeckt am allerbesten. Das behauptet der Fußballer jedenfalls im Werbespot, mit dem Rewe seine aktuelle Kampagne bewirbt. Außer Thomas Müller können auch die Kunden noch bis zum 12. Februar ihren Pudding-Favoriten wählen: Aus einer Palette von vier Schokopuddings (Original, minus 20, 30 und 40 Prozent Zucker) sollen sie die leckerste auswählen und online abstimmen. Die Gewinnervariante kommt dauerhaft ins Ladenregal.

Laut Rewe ist die Aktion mehr als ein PR-Gag. Der Supermarktriese hat die Kunden-Abstimmung zum wichtigen Testlauf für die Überarbeitung des Sortiments erklärt: "Ihr Votum gibt Orientierung, auf wie viel Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln verzichtet werden kann, ohne dass dies als Geschmackseinbuße empfunden wird", erklärte der Konzern zum Start der Aktion.

Basierend auf den Erkenntnissen sollen noch in diesem Jahr 100 weitere zuckerreduzierte Produkte getestet werden. Ziel ist es, die Rezepturen sämtlicher Eigenmarken zu ändern. "Bis 2020 sollen alle überprüft und angepasst sein und dabei geht es sowohl um den Zucker- als auch um den Salzgehalt", sagt Jochen Vogel, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Rewe Nord dem Hamburger Abendblatt.

Zucker, der Feind des modernen Kunden 

Verarbeiteter Zucker ist der Feind des modernen ernährungsbewussten Verbrauchers. Und je mehr Kunden Zucker meiden, desto größer wird der Druck für Unternehmen ihre Produkte zu ändern. Auch Discounter Lidl kündigte vergangenes Jahr an, den Anteil an Zucker und Salz in den Eigenmarken um 20 Prozent zu verringern - wenn auch erst bis 2025. Und sogar Zuckerbombenkönig Coca-Cola sieht sich gezwungen, in Alternativen zu investieren. Allerdings gelten "Light"-Produkte, in denen in der Regel andere Süßstoffe enthalten sind, auch nicht mehr als besonders sexy.

Rewe probiert es daher ohne das Label "Light" und ohne Einsatz alternativer Süßungsmittel. Im Aktions-Schokopudding ist lediglich der Zuckeranteil reduziert - von 14 Gramm (Original) auf bis zu 8,4 Gramm je 100 Gramm (minus 40-Prozent-Variante). Der fehlende Zucker wird durch mehr von den übrigen Zutaten ersetzt, zum Beispiel durch mehr Fett. Die Kalorienzahl verringert sich kaum: 100 Gramm Originalpudding haben 163 Kilokalorien, der am stärksten zuckerreduzierte immer noch 149 Kilokalorien.

Verbraucherschützer sind skeptisch

Ernährungsexperten sehen die Rewe-Aktion mit gemischten Gefühlen. "Prinzipiell begrüßen wir die Initiative von Rewe, wenn das nicht nur ein Marketing Gag bleibt, sondern prinzipiell versucht wird Zucker in den Rezepturen einzusparen", sagt Armin Valet, Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg. "Das reicht aber bei weitem nicht aus."

Denn entscheidend ist schließlich nicht um wie viel Prozent der Zucker zu irgendeinem unbekannten Ausgangswert reduziert wurde, sondern wie viel immer noch drin ist. "Es bringt nur wenig, wenn man den Zuckergehalt etwa bei einem überzuckerten Müsli mit fast 30 Prozent Zucker auf 25 Prozent Zucker reduziert, es bleibt trotzdem noch eine Zuckerbombe", sagt Verbraucherschützer Valet. Er fordert die Einführung einer Ampelkennzeichnung, um Zucker- und Fettfallen zu entlarven. Doch dagegen wehrt sich die Industrie bislang erfolgreich. 

Auch Foodwatch sieht in der Rewe-Aktion nur einen "Tropfen auf den heißen Stein, solange nur einzelne Händler ankündigen, den Zucker zu reduzieren". "Dem großen Problem der Fehlernährung wird das nicht gerecht," sagt Foodwatch-Sprecher Dario Sarmadi. "Wir brauchen Rahmenbedingungen, die eine gesündere Ernährung leichter machen." Er fordert ebenfalls die Ampelkennzeichnung, außerdem eine Sonderabgabe für Hersteller zuckerhaltiger Getränke.  Und: "Industrie und Handel sollen aufhören, Zuckerbomben und fettige Snacks an Kinder zu bewerben", sagt Sarmadi.

Etwas fragwürdig erscheint schließlich auch, warum bei Rewe ausgerechnet ein Schokopudding als Exempel für besseres Essen herhalten muss. Wer sich gesünder ernähren will, sollte sich einfach nicht im Pudding-Regal bedienen, sondern in der Obst- und Gemüseabteilung. 

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