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Rezession in Deutschland: Wirtschaft schrumpft im Rekordtempo

Beispielloser Absturz: Die deutsche Wirtschaft ist zu Jahresbeginn so stark eingebrochen wie noch nie. Das Bruttoinlandsprodukt der ersten drei Monate rauschte gegenüber dem Vorquartal um 3,8 Prozent in den Keller - und damit viel deutlicher als erwartet. Staat und Bürger verhinderten einen noch schlimmeren Einbruch.

Die deutsche Wirtschaft steckt in der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach im ersten Quartal 2009 um 3,8 Prozent ein. Das war der vierte Rückgang gegenüber einem Vorquartal in Folge und der mit Abstand größte seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1970, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Das Minus in den ersten drei Monaten des Jahres fiel zudem deutlicher aus als erwartet: Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang um drei Prozent vorausgesagt.

Der beispiellose Rückgang des BIP, das den Wert aller in Deutschland erwirtschafteten Waren und Dienstleistungen ausdrückt und als die wichtigste ökonomische Kennziffer gilt, ist den Statistikern zufolge vor allem auf den schwachen Außenbeitrag zurückzuführen. Die preisbereinigten Exporte seien zu Jahresbeginn deutlich stärker zurückgegangen als die Importe. Deutschland ist als Exportweltmeister besonders stark vom Zusammenbruch der globalen Nachfrage betroffen. Nach den Angaben gingen aber auch die Investitionen gegenüber dem Vorquartal deutlich zurück. Einzig die privaten und staatlichen Konsumausgaben seien leicht angestiegen und hätten ein noch schlechteres Ergebnis verhindert. Details will das Bundesamt am 26. Mai nennen.

"Schockstarre beginnt sich zu lösen"

Die meisten Experten sagen auch für die kommenden Quartale eine sinkende Wirtschaftsleistung voraus. Allerdings dürfte das Minus im Frühjahr und Sommer weit weniger stark ausfallen, während am Jahresende wieder ein leichtes Wachstum möglich ist. "Die deutsche Wirtschaft war im ersten Quartal Opfer des Unsicherheitsschocks, der seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers die Weltwirtschaft in eine Schockstarre versetzt hat", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Diese Schockstarre hat sich aber inzwischen wieder etwas gelöst, weil die Maßnahmen der Notenbanken und Finanzminister zu greifen beginnen."

Im Vergleich zum ersten Quartal 2008 sackte die Wirtschaftsleistung in Deutschland preisbereinigt um 6,7 Prozent ab. Das Bundesamt korrigierte zudem die BIP-Entwicklung im vierten Quartal 2008 leicht um 0,1 Prozentpunkte auf minus 2,2 Prozent nach unten. Die Wirtschaftsleistung sank bereits das vierte Quartal in Folge. Ende 2008 hatte es ein Minus von revidiert 2,2 (bisher: 2,1) Prozent gegeben, während es im Frühjahr und Sommer um jeweils 0,5 Prozent nach unten gegangen war.

Die Bundesregierung und die führenden Wirtschaftsinstitute rechnen für 2009 mit einem Minus von sechs Prozent. Das wäre der stärkste Einbruch seit Gründung der Bundesrepublik. Ursache dafür ist die globale Wirtschaftskrise, unter der Exportweltmeister Deutschland besonders leidet. Um den Absturz zu begrenzen, hat die Bundesregierung Konjunkturpakete in Höhe von rund 80 Milliarden Euro verabschiedet.

DPA/AP/Reuters / DPA / Reuters / AP