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Streit um Grenzmauer: Mexikos sieben Trümpfe gegen Trump

Der Streit um den Bau einer Grenzmauer ist im Rekordtempo eskaliert. Sollte es zu einer Machtprobe kommen, hat Mexiko mehr zu verlieren als die USA. Aber das Land hat auch einige Trümpfe in der Hand.

Eskalation nur eine Woche nach Amtseid des neuen US-Präsidenten: Donald Trump und Mexikos Präsident Peña Nieto.

Eskalation nur eine Woche nach Amtseid des neuen US-Präsidenten: Donald Trump und Mexikos Präsident Peña Nieto.

Erbitterter Kampf um die verkehrsreichste Grenze der Welt: US-Präsident Donald Trump droht Mexiko im Streit um seine Mauer mit einer Importsteuer von 20 Prozent auf alle Produkte. Damit will er das milliardenschwere Megaprojekt finanzieren. "Wir wollen Steuern auf Importe aus Ländern erheben, mit denen wir ein Außenhandelsdefizit haben", sagte Trumps Sprecher Sean Spicer am Donnerstag. 

Im Falle von Mexiko könnten die USA so pro Jahr zehn Milliarden US-Dollar einnehmen. "Durch diesen Mechanismus können wir die Mauer leicht bezahlen." Nach massiver Kritik an den Plänen, die ein Ende des jahrzehntelangen, weitgehend zollfreien Handels bedeuten würden, ruderte Spicer etwas zurück: Das sei zunächst nur eine Option. 

Trump und Peña Nieto: Eskalation in wenigen Stunden

Ohnehin war innerhalb von wenigen Stunden schon genug Porzellan zerschlagen worden: Nachdem Trump sagte, ein für kommende Woche geplantes Treffen mache keinen Sinn, wenn Mexiko nicht für die Mauer zahlen wolle, sagte Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto seine Reise nach Washington ab. In seiner Heimat wurde der unbeliebte Präsident für seine Entscheidung gelobt. 

Das sind Mexikos Trümpfe:

Das Machtverhältnis zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten ist unausgeglichen. Sollten sich die Beziehungen zwischen den beiden Staaten verschlechtern, hat Mexiko mehr zu verlieren als die USA. Aber das Land hat auch einige Trümpfe in der Hand.

1. Handel

Nach Kanada und noch vor China ist Mexiko der zweitwichtigste Importeur von US-Produkten. Auch wenn die USA ein Außenhandelsdefizit von rund 60 Milliarden US-Dollar (56 Milliarden Euro) zu Mexiko aufweisen, werden jährlich für mehr als 230 Milliarden US-Dollar (214 Milliarden Euro) Produkte in das Nachbarland verkauft.

2. Arbeitsplätze

Sechs Millionen Beschäftigte hängen in den USA vom Handel mit Mexiko ab. 40 Prozent der Einzelteile in mexikanischen Produkten werden zunächst in den Vereinigten Staaten hergestellt, nach Mexiko exportiert und nach ihrer Verarbeitung wieder an die USA verkauft.

3. Geschäftspartner

Für viele US-Bundesstaaten ist Mexiko ein unerlässlicher Handelspartner. Für die Grenzstaaten Texas, Arizona und Kalifornien ist das Nachbarland sogar der wichtigste Abnehmer für Exporte. Mexiko kauft mehr Schweinefleisch, gelben Mais und Fruktose aus den USA als jedes andere Land.

4. Auslieferungen

Mexiko arbeitet bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität eng mit den Vereinigten Staaten zusammen. Zwischen 2000 und 2015 lieferten die mexikanischen Behörden mehr als 900 polizeilich gesuchte Personen an die USA aus. Der wohl bekannteste Fall ist der kurz vor dem Amtsantritt von Donald Trump ausgelieferte Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán.

5. Abschiebung

Die Grenze zwischen beiden Ländern ist fast 3200 Kilometer lang. Mexiko hilft dabei, illegale Migranten bereits vor der Grenze zu stoppen. Im vergangenen Jahr schoben die Behörden 165.000 Mittelamerikaner in deren Heimatländer ab.

6. China

Die chinesische Regierung hat seit Jahren ihren wirtschaftlichen Einfluss in Lateinamerika ausgebaut. Mexiko pflegt eine gute Beziehung zu China. Die Länder könnten sich wirtschaftlich noch weiter annähern und ein Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten bilden, wenn die USA sich weiter von China abschotten.

7. Wirtschaftskrise

Die US-Regierung will mexikanische Produkte mit hohen Schutzzöllen belegen, Investitionen in Mexiko unattraktiv machen und mexikanische Migranten aus den USA ausweisen. Die Repressalien könnten zu einer wirtschaftlichen und sozialen Krise in Mexiko führen - Instabilität im Nachbarland können die Vereinigten Staaten jedoch nicht gebrauchen.

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tis / DPA