Schifffahrt Geht der Branche die Puste aus?


Die Globalisierung und der wachsende Welthandel haben der Containerschifffahrt jahrelang einen Boom beschert. In der Branche wächst jedoch die Sorge, dass dem Boom die Puste ausgehen könnte.

Jahr für Jahr legte die Branche mit nahezu zweistelligen Wachstumsraten zu, erreichten die Häfen neue Umschlagrekorde und wuchsen die Containerschiffe in neue Dimensionen. Doch in der Schifffahrt wächst die Sorge, dass dem Boom die Puste ausgehen könnte. Enorm viele Schiffe kommen neu in Fahrt und könnten die Preise für den Schiffstransport, die Frachtraten, unter Druck setzen.

Die meisten Konjunkturforscher beurteilen die Aussichten für den Welthandel für das nächste Jahr noch überwiegend optimistisch. So erwartet zum Beispiel die Commerzbank ein stabiles Wachstum des Welthandels von gut sieben Prozent. "Die Wirtschaft Japans gewinnt an Fahrt und stabilisiert die gesamte Region", schreiben die Volkswirte. China und Indien werden wieder Wachstumsraten von acht und sieben Prozent ausweisen. Das ist zwar etwas weniger als in diesem Jahr, aber immer noch genug, um die weltweite Konjunktur nach vorn zu bringen.

Deutsche Reeder profitieren dank günstiger Rahmenbedingungen

Das Institut Global Insight rechnet im nächsten Jahr mit einem globalen Containertransport von 92 Millionen Standardcontainern (TEU) - nach 85 Millionen TEU in diesem Jahr. Der langfristige Wachstumstrend, nach dem der Weltmarkt jedes Jahr um sechs bis acht Millionen TEU zunimmt, würde sich damit fortsetzen. Deutsche Reeder profitieren dank günstiger Rahmenbedingungen wie der Tonnagesteuer besonders von dem Boom und dirigieren mittlerweile fast ein Drittel der weltweiten Containerschiffsflotte.

Die Globalisierung geht weiter und trotz gestiegener Schiffspreise und Energiekosten ist der Transport per Seeschiff konkurrenzlos günstig. So betragen nach Daten des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) die Frachtkosten für einen Fernseher aus Asien im Wert von 700 Dollar nur zehn Dollar. Maschinen und Kleidung, Spielzeug und DVD-Player, Motorräder und Haushaltsgeräte - die meisten Produkte des täglichen Bedarfs kommen komplett oder zumindest teilweise aus Japan, China oder einem anderen asiatischen Land.

"Wir betrachten die Zukunft optimistisch"

So ist es nicht erstaunlich, dass weltweit auf den Werften fieberhaft neue Containerschiffe gebaut werden. In diesem Jahr werden rund 250 neue Schiffe ausgeliefert, die ungefähr 900.000 TEU tragen können. Schon heute fahren rund 3400 Containerschiffe auf den Weltmeeren, die 7,8 Millionen TEU befördern können, heißt es beim Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM). Weitere 1132 Schiffe mit 4,2 Millionen TEU Tragfähigkeit sind fest bestellt, was zu einem Wachstum der Flotte um mehr als 50 Prozent in den kommenden Jahren führen wird. Ob der Markt diese zusätzlichen Kapazitäten aufnehmen und auslasten kann, ist die offene Frage.

Die Akteure auf dem Markt glauben jedenfalls fest daran, dass die Frachtmenge noch schneller steigt als die Kapazität der Flotte. Die dänische Reederei Maersk legte mehr als zwei Milliarden Euro auf den Tisch, um den Konkurrenten P&O Nedlloyd zu übernehmen und die Position als größte Reederei der Welt zu festigen. Und die TUI kaufte für 1,7 Milliarden Euro die kanadisch-britische Reederei CP Ships, um ihr Tochterunternehmen Hapag-Lloyd mit einer Fusion in die Top Five weltweit zu hieven. "Wir betrachten die Zukunft optimistisch", sagt Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt. "Nach unserer Auffassung sollte die in Fahrt kommende Tonnage auch benötigt werden."

Eckart Gienke/DPA


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